René (links) und Wolfgang sind einmal in der Woche gemeinsam unterwegs. - © Wolfgang Eller
René (links) und Wolfgang sind einmal in der Woche gemeinsam unterwegs. - © Wolfgang Eller

Wien. Zielstrebig bahnt sich René seinen Weg durch das Menschengewirr am Karlsplatz. René ist ein groß gewachsener junger Mann Anfang 20 mit dichtem schwarzem Haar und blitzblauen Augen. Einmal in der Woche trifft er sich mit Wolfgang. Sie gehen gemeinsam ins Museum, ins Kino, in den Zoo und ins Schwimmbad. Oder sie unternehmen einen Ausflug zum Christkindlmarkt vor der Karlskirche.

"Prost", sagen die beiden und stoßen mit ihren gelben Weihnachtsmarkt-Tassen an. René grinst und hebt seine Hände in die Luft. "Damit zeigt er mir, dass er sich freut", sagt Wolfgang.

Der 26-jährige Wolfgang hat gerade sein Sozialwirtschaftsstudium abgeschlossen und ist Freizeitassistent. Als solcher begleitet und unterstützt er René einmal in der Woche bei seinen Freizeitunternehmungen. Denn René ist autistisch.

Keine spezielle Ausbildung nötig


Das Projekt Freizeitassistenz ist Teil des Angebots von Integration Wien, einem Verein zur Beratung von Kindern, Jugendlichen und Eltern mit behinderten Kindern. Durch das Programm sollen 18-bis 30-jährige Personen mit Beeinträchtigungen dabei unterstützt werden, ihre Freizeit selbständig zu gestalten. Dafür werden ihnen junge Menschen - sogenannte Freizeitassistenten - zur Seite gestellt. Denn: Welcher Jugendliche will schon mit der Mama in die Disco?

Während andere Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Wien Assistenzleistungen von Betreuern mit bestimmter Ausbildung anbieten, sind Freizeitassistenten meist einfach nur engagierte junge Menschen und nicht viel älter als die zu unterstützenden Jugendlichen selbst.

"Wir haben da weniger ein Verständnis von Betreuung als vielmehr von Assistenz und Begleitung", sagt Isabell Frick, derzeitige Leiterin des Angebots Freizeitassistenz, zur Wiener Zeitung: "Uns ist es wichtig zu zeigen, dass nicht nur Menschen mit spezieller Ausbildung mit Menschen mit Behinderung arbeiten können."

Wolfgang und René sind seit drei Jahren gemeinsam unterwegs. "Wir sind Freunde geworden", sagt Wolfgang. Und auch René erzählt seinen Eltern, wie sehr er seine Nachmittage mit Wolfgang genießt. "Ich fühle mich wohl", sagt er. Finanziert wird die Freizeitassistenz vom Fonds Soziales Wien. Um die Fördergelder muss der Verein Jahr für Jahr ansuchen - und hoffen, dass es klappt. Ein weiterer Teil wird von Licht ins Dunkel beigesteuert.