Was sie als Patientin und Famulant (oben) gedacht und gefühlt haben, erzählen die Schauspielerin und der Student (unten) und erörtern, was am Gespräch verbessert werden könnte. - © Stanislav Jenis
Was sie als Patientin und Famulant (oben) gedacht und gefühlt haben, erzählen die Schauspielerin und der Student (unten) und erörtern, was am Gespräch verbessert werden könnte. - © Stanislav Jenis

Wien. Florian W. führt die Patientin herein. Frau D. wirkt verwirrt, krampfhaft hält sie sich an ihrer Tasche fest. Sie ist zum Einstellen des Blutdrucks in die Ambulanz gekommen. Der Student erklärt, dass er als Praktikant die notwendigen Informationen von Frau D. erfragen soll, um sie an den behandelnden Arzt weiterzugeben. Die Patientin antwortet zögerlich und mit leiser Stimme. Florian W. geht die Fragen durch, wie er es gelernt hat, und ist etwas irritiert, dass es nicht so einfach ist, die benötigten Informationen zu bekommen. Man sieht ihm an, dass er überlegt, wie er am besten Anteilnahme ausdrücken, auf die Gefühle der verstörten Frau eingehen und dabei mehr über das Umfeld der Patientin erfahren kann.

Später wird er sagen: "Ich hab genau gemerkt, dass da jetzt was falsch läuft, aber ich wusste nicht, wie ich es anders formulieren kann." Und Frau D. wird sagen, dass sie sich eigentlich sehr wohlgefühlt hat, ihr aber bestimmte Nachfragen nach ihrem Befinden gefehlt haben.

Florian W. ist Student an der MedUni Wien - und Frau D. eigentlich Christa Kern, eine professionelle Schauspielerin, die wie fünf weitere Schauspieler und Schauspielerinnen an diesem Tag in die Rolle der Frau bzw. des Herrn D. geschlüpft ist. So bekommen die "Scrubs" - englisch für "Anfänger" - durch das SchauspielpatientInnen-Programm des Departments für medizinische Aus- und Weiterbildung die Möglichkeit, sich vor ihrer Famulatur, ihrem Praktikum nach dem zweiten Studienjahr, auf die Gespräche mit Patienten besser vorzubereiten.

"Wir versuchen, den Studierenden durch dieses Training erfahrbar zu machen, wie ein Kontakt funktionieren kann. Und sie auch darin zu bestärken, was sie tun: Sie haben als Famulierende eine ganz wichtige Rolle. Wenn sie das so rüberbringen können, steigert das den Wert des Gesprächs", erklärt Lehrgangsleiterin Ingrid Preusche die Zielsetzung dieses Kurses.

Seit der Einführung des neuen Lehrplans an der Medizin-Universität wird auch Kommunikation gelehrt, seit dem Studienjahr 2010/2011 mit professionellen Schauspielern. Zuvor schlüpften Kollegen in die Patientenrollen. Preusche ist von der Qualitätssteigerung durch den Einsatz der "Schauspielpatienten" überzeugt. Auch wenn der eine oder andere am Beginn noch der Meinung sei, dass das ja "nur" eine Schauspielerin sei, werde ihnen in der Situation schnell klar, dass da mehr dahintersteckt.