Wien. Heute, Mittwoch, wird Georg Papai (40) in der Sitzung der Floridsdorfer Bezirksvertretung offiziell zum Bezirksvorsteher gewählt. Er folgt Heinz Lehner nach, der nach 20 Jahren an der Spitze des Bezirks in Pension geht. Papai ist seit 1991 politisch aktiv, zuerst in der Sozialistischen Jugend, ab 1996 als Bezirksrat. Seit 2008 war er Klubvorsitzender der Bezirks-SPÖ. Ebenfalls seit 2008 leitete er die Abteilung Organisation der Wiener SPÖ. Papai lebt in einer Lebensgemeinschaft und ist Vater zweier Kinder.

"Wiener Zeitung": Wo möchten Sie im Bezirk Ihre Schwerpunkte setzen?

Georg Papai: Ich möchte möglichst bald eine Arbeitsgruppe einsetzen, die sich überlegen soll, wie wir im Bezirkszentrum positive Akzente setzen können. Derzeit wird über eine Verkehrsberuhigung in diesem Bereich diskutiert. Dazu wurde bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und der Bevölkerung präsentiert. Nun geht es darum, was wirklich umsetzbar und finanzierbar ist. Immerhin ist die Floridsdorfer Hauptstraße eine Landesstraße und damit nicht in Bezirkskompetenz. Da brauchen wir das Budget der Frau Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou dazu.

Gibt es ein Konzept zu den im Zentrum leer stehenden Einzelhandelsflächen?

Da wird es in nächster Zeit einige positive Veränderungen geben. Der Einkaufsspitz wird abgerissen und neu gebaut. Hier gibt es das Konzept einer Fußgängerdurchquerung zwischen Brünnerstraße/Ecke Angerer Straße und Pius-Parsch-Platz. Am Franz-Jonas-Platz baut die Firma Interspar ihr Haus neu und passt es den heutigen Gegebenheiten an. Auch das ehemalige Quelle- oder Woolworth-Gebäude soll privat verkauft worden sein und nächstes Jahr einer Nutzung zugeführt werden. In diesem Fall möchte ich die Interessen des Bezirks einbringen, die handelnden Personen vernetzen und schauen, dass für die Floridsdorfer Bevölkerung das Bestmögliche herauskommt.

Was sind die größten Herausforderungen für Floridsdorf in den nächsten Jahren?

Die Stadt wächst, auch Floridsdorf. Wir haben viele Freiflächen, die schon gut mit Infrastruktur erschlossen sind - wo es Bildungseinrichtungen, Anbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Gesundheitsversorgung gibt. Auf diesen Flächen, wie zum Beispiel im Donaufeld, sollen leistbare Wohnungen für junge Familien entstehen. Das halte ich für richtig und wichtig, dass nicht irgendwo im Speckgürtel gebaut wird, wo es keine Infrastruktur gibt. Solche Projekte sind schwieriger, weil es schon Anrainerinnen und Anrainer gibt. Der Bezirk hat in den vergangenen Jahren schon sehr stark Informations- und Beteiligungsverfahren organisiert, das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.

Wie weit kann der Bezirk eingreifen, wenn es großen Widerstand der Anrainer gibt?

Der Bezirk sollte immer die Interessen der Floridsdorferinnen und Floridsdorfer vertreten. Da muss man das Ohr bei den Bürgerinnen und Bürgern haben. Trotzdem darf man als Bezirkspolitikerin oder Bezirkspolitiker nicht das große Ganze aus den Augen verlieren. Nur auf Zurufe zu reagieren, ist zu wenig.

Wo im Bezirk sollen Grünräume erhalten bleiben?

Es herrscht im Bezirk Konsens, dass es Räume - wie den Bisamberg, die Donauinsel, die Alte Donau, den Marchfeldkanal - gibt, die für die Floridsdorferinnen und Floridsdorfer als Naherholungsraum wichtig und ganz massiv schützenswert sind. Diese gilt es, zu erhalten und so auszubauen, dass sie auch als Naherholungsraum zur Verfügung gestellt werden können.

Der Acker am Marchfeldkanal beim Heeresspital soll aber bebaut werden?

Das ist momentan Beschlusslage, dazu stehe ich auch. Es gilt, die Naturschutzrichtlinien einzuhalten. Wenn die Ziesel aber weitergewandert sind, dann soll dort dieser Wohnbau errichtet werden.

Könnten Sie sich vorstellen, den Floridsdorfer Markt zu einer Art Yppenmarkt umzugestalten?

Ich denke nicht, dass das Konzept vom Yppenmarkt zusammenpackbar ist und im Rucksack auf einen anderen Markt gebracht werden kann. Fakt ist, dass der Bezirk seit einigen Jahren versucht, den Floridsdorfer Markt gemeinsam mit der Gebietsbetreuung, dem Marktamt und regionalen Initiativen zu beleben. Eine Gastronomie- und Kulturmeile könnte ich mir eher auf der Prager Straße rund um das Gloria Theater vorstellen. Dort gibt es bereits viele Gastronomiebetriebe. Am Floridsdorfer Markt könnte man eine andere Konzeption versuchen.

Kultur ist auch ein Bestandteil des Bauprojekts Gaswerk Leopoldau. Was ist dort der Stand der Dinge?

Dort gibt es derzeit ein Bürgerbeteiligungsverfahren und parallel dazu ein ExpertInnen-Verfahren. Kultur ist dort dabei, weil es eine Veranstaltungshalle gibt, die denkmalgeschützt ist und erhalten werden muss. Die Herausforderung wird darin liegen, einen Betreiber zu finden, der Veranstaltungen - welcher Art, wird gerade erst diskutiert - abhält.

Wie sieht es mit der Verlängerung der U6 aus?

Meines Wissens nach wird die U6 in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht nach Stammersdorf verlängert. Wir haben im Bezirk aber festgesetzt, dass die Trasse freigehalten werden muss. In einem meiner ersten Termine möchte ich mich bei den Wiener Linien auf den aktuellen Stand der Dinge bringen lassen. Und überlegen, welche andere Maßnahmen für die Stammersdorferinnen und Stammersdorfer gesetzt werden können, um eine schnellere Anbindung an das Bezirkszentrum und somit auch an die U6 zu schaffen. Beim Krankenhaus Nord wird die Schnellbahnstation Brünner Straße umgebaut. Die ÖBB hat auch zugesichert, dass die Schnellbahn im 15-Minuten-Takt diese Station anfahren wird.