Frische Matzot bereitet Golan Yonatan gemeinsam mit den Kindern für die Pessach-Feierlichkeiten zu. - © Stanislav Jenis
Frische Matzot bereitet Golan Yonatan gemeinsam mit den Kindern für die Pessach-Feierlichkeiten zu. - © Stanislav Jenis

Wien. "Was brauchen wir, um Teig für Matzot zu machen?", fragt Golan Yonatan. "Salz", antwortet eines der Kinder der ersten Klasse der jüdischen Zwi-Perez-Chajes-Volksschule. "Das ist vollkommen falsch." Die Kinder denken weiter nach. "Wasser", ruft eines. "Mehl", ein anderes. "Mehl und Wasser - und sonst nichts", bekräftigt Yonatan, der Geschäftsführer des Beit Halevi, "dem Haus der Zukunft" einer jüdischen Einrichtung am Rabbiner Schneerson Platz 2, das zum Beten einlädt, aber auch ein umfangreiches Freizeit- und Lernprogramm für jüdische Kinder und Erwachsene bietet.

Es ist die Woche vor Pessach und in dieser kommen nun bereits das elfte Jahr jüdische Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter täglich im Stundentakt ins Beit Halevi nach Brigittenau, um selbst eine Scheibe Matze zu backen. Matzot sind jene ungesäuerten Brote, welche die Juden laut Tora beim Auszug aus Ägypten aßen. Die Versklavung der Juden durch den Pharao und die Befreiung aus diesem Joch durch Moses respektive HaSchem, wie gläubige Juden Gott nennen: Mit der Erinnerung daran beschäftigt sich das Pessachfest, das am Montag Abend mit dem ersten Seder beginnt. Seder bedeutet auf Hebräisch Ordnung und so läuft dieses Festmahl auch nach einer bestimmten Ordnung ab.

Einmal Sederplatte

Bereits im Vorfeld des Festes ist einiges zu tun - was genau, erfahren die Kinder im Beit Halevi beim Film "Die Pessach-Uhr". Darin hat Strubbel, eine Stoffpuppe, keine Ahnung, wie man Pessach feiert. Schlomi klärt ihn auf: Anhand der Pessach-Uhr erklärt er der Puppe, warum das Haus gründlich gereinigt werden muss und was es mit Chometz auf sich hat. Chometz, das sind Lebensmittel, die aus Getreide gemacht werden, das länger als 18 Minuten mit Wasser in Kontakt war - also als "gesäuert" bezeichnet werden. Sie müssen vor Beginn des Pessachfests aus dem Haus entfernt und schließlich am Morgen jenes Tages, an dem abends der erste Seder stattfindet, verbrannt werden. In Wien geht man dazu beispielsweise in die Synagoge in der Großen Schiffgasse, erzählt Yonatan.

Für die Kinder hat er im Anschluss an den Film ein Spiel vorbereitet: In einem abgedunkelten Raum sollen sie mit Taschenlampen nach zehn Stücken Chometz suchen. Ist alles gefunden, bespricht man noch einmal gemeinsam, was es zu Pessach zu beachten gibt: nichts Gesäuertes zu essen, also kein Brot, keine herkömmlichen Kuchen. Die Sederplatte mit all ihren traditionellen Speisen zu belegen, wie etwa einem Ei (Fruchtbarkeitssymbol) oder einem Hühnerknochen (zur Erinnerung an ein geopfertes Lamm im inzwischen zerstörten Tempel in Jerusalem) oder Bitterkraut (hebräisch: Maror, das kann zum Beispiel Meerrettich oder Salat sein).