Wien. Mehr Balkone für Wien, das soll unter anderem die neue Bauordnung bringen, die am Montag nach jahrelangem Verhandeln mit den Grünen im Gemeinderatsausschuss abgesegnet und am 30. Juni endgültig beschlossen werden soll. Balkone dürfen demnach künftig auch über Gehsteigen - und auch nachträglich - errichtet werden.

Darüber hinaus bringt die Novelle Erleichterungen für Dachgeschoßausbauten und eine - weltweit einzigartige - Solarverpflichtung für Bürogebäude. Die Pkw-Stellplatz-Verpflichtung bei Neubauten wurde außerdem aufgeweicht und die Notkamin-Verpflichtung überhaupt gestrichen. Das erklärten Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und der grüne Gemeinderat Christoph Chorherr am Montag.

"Erstes Meisterstück von rot-grün"

Auf den ersten Blick mag das alles nicht besonders neu klingen, hat doch die "Wiener Zeitung" bereits vor fast einem Jahr über diese Neuerungen berichtet. Allerdings wurden bis dato zu den einzelnen Schwerpunkten viele Zusatzdetails ausverhandelt und um viele Kompromisse wurde gerungen, wie Chorherr erläuterte. Die nun vorliegende Novelle mit rund 50 Maßnahmen bezeichnete er nun als "erstes Meisterstück der rot-grünen Koalition".

Nachverhandelt wurde etwa im Bereich der Notkamine: Die verpflichtende Errichtung dieser ist nun konkret für jene Gebäude nicht mehr vorgesehen, für die das Baubewilligungsverfahren nach Inkrafttreten der Techniknovelle 2007 eingeleitet wurde. Die Begründung dafür: "Mit den hohen Anforderungen der Techniknovelle an den Wärmeschutz bleibt die Raumtemperatur auch beim Ausfall einer Heizanlage bis zu einer Woche im verträglichen Bereich", meinte Ludwig. Ältere Gebäude, die den genannten hohen thermischen Standard nicht aufweisen und deren Auskühlzeit kürzer ist, dürfen die Notkamine weiter behalten. Argumentiert wird die Streichung der Notkaminverpflichtung vor allem mit Kosteneinsparungen für die Immobilienentwickler - und letzten Endes auch für die Mieter. "Und wir werden sehr genau schauen, ob die Kostenreduzierung wirklich eintritt", versicherte der Stadtrat.

Die zweite Nachjustierung gab es laut Ludwig und Chorherr bei der Erleichterung von Dachgeschoßausbauten: "Dachgeschoßausbauten für Wohnzwecke, soweit diese mit einer ,Ansteilung‘ (,Aufklappung‘) des bestehenden Daches (auch eines Flachdaches) verbunden sind, sind künftig auch dann möglich, wenn dadurch die zulässige Gebäudehöhe, Bestimmungen des aktuellen Bebauungsplanes über die gärtnerische Ausgestaltung der Grundfläche oder Baufluchtlinien nicht eingehalten werden, sofern dadurch die bestehende Gebäudehöhe nicht überschritten wird. Der Ausführung dürfen städtebauliche Rücksichten nicht entgegenstehen", heißt es jetzt im Entwurf.