Schausteller Fery Keinrath betreibt seit Jahrzehnten einen mobilen Stand: Hinter vielen Straßenfesten und Kirtagen in Wien stehen soziale Organisationen. - © Karrer
Schausteller Fery Keinrath betreibt seit Jahrzehnten einen mobilen Stand: Hinter vielen Straßenfesten und Kirtagen in Wien stehen soziale Organisationen. - © Karrer

Wien. Im Autodrom ist Fery Keinrath der Boss. Wer seinen bunten Wagen mit der Aufschrift "Direktion" betritt, kann seinen Blick kaum von den vielen Fotos abwenden, die großflächig die Wände zieren: Keinrath vor seinem ersten Fahrgeschäft, das erste Karussell, die erste Schiffsschaukel, Keinrath mit Bürgermeister Michael Häupl, Keinrath mit seiner kleinen Enkelin. Vor mehr als 40 Jahren kam der gelernte Maschinenschlosser durch seine Ehefrau erstmals mit dem Schausteller-Geschäft in Berührung. Trotz der bereits damals entfachten Leidenschaft für das Gewerbe arbeitete er aber noch jahrelang in seinem erlernten Beruf. So lange, bis die ersten großen Kirtage aufkamen und Schausteller immer stärker im Aufwind waren.

Keinrath spricht gerne von früher, dann hält er kurz inne und schmunzelt: "Aber was wollten Sie eigentlich von mir wissen?" Der Mann ist gut drauf. Erst wenige Minuten zuvor war ein kräftiger Regenschauer über dem Maurer Kirtag niedergegangen. Nun hat sich die Sonne wieder durch die dichte Wolkendecke gekämpft, ständig fragen Besucher nach Jetons. Keinrath, der gleichzeitig Obmann der Fachgruppe Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe in der Wiener Wirtschaftskammer ist, weiß: Das Wetter ist einer der größten Feinde der Schausteller.

Von seinem Direktionswagen aus hat er alles im Blick. Ein Mitarbeiter unterstützt ihn draußen, überprüft vor allem, dass die Kinder richtig angegurtet sind. "Der Gurt darf niemals am Hals aufliegen", erklärt Keinrath. Immer wieder ruft er markige Sprüche in sein Mikrofon, kassiert, kündigt die nächste Runde an, startet diese, reicht einem Buben ein Pflaster, kontrolliert 50-Euro-Scheine auf ihre Echtheit, gibt Wechselgeld zurück. Stress scheint für ihn, der eigentlich längst seine Pension genießen könnte, ein Fremdwort zu sein.

"Die Menschen sind viel freundlicher geworden"


"Das sieht alles nur so leicht aus, weil ich das schon so lange mache", betont er. Und, dass zu seinem Beruf noch viel mehr gehört: "Manche glauben, das kann jeder. Aber es ist ein sehr technischer Beruf." Gerade in den letzten zehn bis zwölf Jahren sei eine große Welle der Technisierung durch die Branche gegangen. In dieser Zeit sei mehr Geld in Investitionen geflossen, gleichzeitig seien die Einnahmen zurückgegangen.