Wien. "Es hat in Wien Tradition, die Stadt gescheit zu organisieren", erklärte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) im Mai, als er zusammen mit der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou die Smart City-Rahmenstrategie präsentierte. Diese Strategie soll nun morgen, Mittwoch, im Gemeinderat beschlossen werden und unter anderem dafür sorgen, dass bis 2030 nur noch halb so viele Wege wie heute mit dem Auto zurückgelegt werden sollen. Beziehungsweise sollen bis 2050 überhaupt alle Verbrennungsmotoren aus der Stadt verschwunden sein. Die grüne Handschrift ist bei diesem Papier nicht von der Hand zu weisen.

Ebenso steht der Stadtentwicklungsplan - kurz "Step" - auf der Beschlussliste. Er soll wiederum dafür sorgen, dass die wachsende Stadt auf soziale, technische und ökologische Herausforderungen reagiert "und vorausschauend Rahmenbedingungen für Menschen schafft, die heute noch nicht geboren sind".

Dass hier mittlerweile auch konkrete Zahlen und nicht nur Lippenbekenntnisse ausgewiesen werden, sei nicht zuletzt den Grünen zu verdanken, die bei den Roten einen Mentalitätswechsel initiiert hätten, meint ein Rathaus-Insider gegenüber der "Wiener Zeitung". Schließlich habe sich die SPÖ schon öfter schwer damit getan, verbindliche Ziele zu setzen. Denn für sie sei das am schlimmsten anzunehmende Szenario, ein Ziel zu haben und es dann nicht erreichen zu können. Die Grünen hätten hier andere Zugänge aufgezeigt: Lieber ambitionierte Ziele, die man nachher knapp verfehlt, als Ziele, die man aus dem Stand heraus überspringt.

Und man kann es als durchaus ambitioniert bezeichnen, wenn sich nun die rot-grüne Stadtregierung in der rund 80 Seiten umfassenden Rahmenstrategie vornimmt, den Endenergieverbrauch pro Kopf bis 2050 um 40 Prozent zu senken (im Vergleich zu 2005 Anm.). Und das bei dem ständig thematisierten Bevölkerungswachstum. Außerdem sollen laut der zur Beschlussfassung vorliegenden Smart-City-Strategie bis 2050 rund 50 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs von Wien aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden.

Beim motorisierten Individualverkehr hat man sich auf eine Senkung auf 20 Prozent bis 2025 verständigt. Und es kommt noch ambitionierter: Bis 2050 soll der gesamte motorisierte Individualverkehr innerhalb der Stadtgrenzen ohne konventionelle Antriebstechnologien erfolgen - sprich keine herkömmlichen Verbrennungsmotoren mehr. Außerdem soll der gesamte Wirtschaftsverkehr "mit Quelle und Ziel innerhalb des Stadtgebietes" bis 2030 weitgehend CO2-frei abgewickelt werden.

Energieraumplanung

Auch im rund 100 Seiten umfassenden Step geht es vorwiegend um "smarte Lösungen für mehr Nachhaltigkeit und weniger Ressourcenverbrauch". Es wird der Ausbau des Mobilitätssystems und die Sicherung der grünen Infrastruktur angekündigt sowie auch eine weitere Stärkung des Umweltverbunds, die Senkung des Autoverkehrsanteils und der Ausbau des Öffi-Angebots.

Ein relatives Novum ist die sogenannte Energieraumplanung - sie sieht die automatisierte Mitentwicklung von Energiekonzepten für Stadterweiterungsgebiete vor. Die Ziele sind unter anderem Vermeidung von CO2-Emissionen, die Steigerung der Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und die Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort, wie es in dem Papier heißt. Dabei werden auch Fragen des Flächen-und Raumbedarfes für den Ausbau der Energieinfrastruktur behandelt und mit dem Stadtumland abgestimmt. Weiters soll es Leitfäden für Smart City Quartiere geben. Sie sollen die Anforderungen an einen vernetzten Stadtteil auf die operative Ebene herunterbrechen - und zwar anhand von Kennzahlen für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Energie-Raum-Typologien

Zudem sollen bei der Realisierung von Infrastrukturen künftig verstärkt Private miteinbezogen und Fachpartnerschaften über die Verwaltung hinaus etabliert werden. Auch die Kooperation mit Bezirken und dem Umland ist im Stadtentwicklungsplan festgeschrieben - sowie auch "die rasche Nutzbarmachung von Zonen mit guter Erreichbarkeit durch den öffentlichen Verkehr". Außerdem will die Stadt ihren 50-prozentigen Grünanteil auch in Zukunft erhalten. Und die Erholungsräume sollen künftig auch besser miteinander verbunden werden.

Alles in allem sollen die beiden Papiere "eine Richtschnur für die Verwaltung sein, nach der sie in Zukunft handeln kann". Also Gemeinderatsbeschluss hin oder her; rechtlich bindend ist die "schöne rot-grüne Welt" nicht.