Wien. An diesem Donnerstag gibt es Sandwich mit Guacamaole, Humus, getrocknete Paradeiser und karamellisierte Balsamico-Zwiebeln. Gerade sind die blauen Erdäpfel-Chips fertig geworden, und eine Mitarbeiterin hebt die Rohscheiben vom heißen Backblech in die Karton-Boxen mit den Brötchen. Es ist 8.30 Uhr. Die Küchenarbeiten sind für heute beinahe abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt steht Rita Huber zusammen mit ihren beiden Küchenhilfen allerdings schon seit fast vier Stunden vor dem Herd. Erschöpfung ist ihr keine anzumerken.

Die 25-Jährige betreibt seit April dieses Jahres das Wiener Gastronomie-Start-up "Rita bringt’s" - www.ritabringts.at - ein vegetarisches Koch- und Zustellservice, das auf regionale Bio-Ingredienzien, frische Zubereitung, umweltfreundliche Verpackungen und Lieferung per Lastenfahrrad setzt.

"Es war irgendwie in meinem Kopf, dass ich mit 25 selbständig sein wollte", erzählt Rita, nachdem die Boten ihre Ladung in den Kisten der Lastenräder verstaut und sich auf den Weg zu den Hungrigen gemacht haben: "Der Zeitpunkt für diese Art von Unternehmen war günstig, und irgendwie hat alles gut geklappt."

Wie gut es wirklich geklappt hat, lässt sich ermessen, wenn man weiß, wie viele Kunden Ritas Mittagsmenüs heute nach bloß dreieinhalb Monaten Geschäftsbetrieb verspeisen: 500 Kunden, darunter mehrheitlich Firmen, aber auch viele Private. Im Schnitt 150 Mittagsmenüs werden jeden Tag bereitet. Der Erfolg des jungen Unternehmens ist umso erstaunlicher, als Rita von der Gastronomie bis vor kurzem noch keine Ahnung hatte. Die studierte Film- und Literaturwissenschafterin beschritt eigentlich eine Karriere im Kulturbetrieb, arbeitete unter anderem für Kino unter Sternen und die Salzburger Festspiele.

"Ohne es ernsthaft anzudenken, habe ich immer wieder davon geredet, dass ich eines Tages gerne etwas rund ums Essen machen würde", sagt Rita. "Offenbar hat schon länger ein riesengroßer roter Knopf geleuchtet."

Derjenige, der schließlich diesen Knopf betätigt hat, ist Gerald Költringer, Ritas Schwager und jetziger Geschäftspartner. Der Chef der Kommunikations-Agentur Instant gründete bereits in der Vergangenheit Unternehmen mit originellen Ideen: zuletzt die Neuwagen-Plattform Autogott. Mit dem vegetarischen Essens-Zustelldienst verwirklicht er nun eine andere Geschäftsidee. Noch dazu eine, die sympathisch umweltverträglich ist. "Gerald hat zu Jahresanfang zu mir gesagt: Wenn du Lust darauf hast, ein vegetarisches Lieferservice zu machen, lass’ es mich wissen", erzählt Rita. "Am nächsten Tag hat er wieder angerufen und gesagt: Du, das mit dem Lieferservice. Das meine ich ernst." Noch am selben Tag beschließen die beiden, das Projekt durchzuziehen, und gründen eine GmbH. Rita übernimmt das Kochen, die Zustellung, den gesamten operativen Part. Gerald entwickelt die Corporate Identity, macht das Marketing und erstellt die Website, die für "Rita bringt’s" auch als Kommunikationsplattform dient.