"Ab Mitte März habe ich damit begonnen, täglich Gerichte auszuprobieren, die von Instant und Autogott-Mitarbeitern verkostet wurden", erzählt Rita, "um zu testen, wie es ist, für so viele Menschen zu kochen." Ursprünglich wollen die beiden Geschäftspartner erst im Herbst den Vollbetrieb aufnehmen, dann geht alles schneller. Das Unternehmen mietet sich in der Küche eines vegetarischen Lokals in der Wiener Innenstadt ein. Am 1. April geht es los. "Wir haben gewusst: Jetzt sind wir noch die Ersten am Markt."

Weggeworfen wird nichts


Dass es jetzt so gut funktioniert und das Unternehmen vielleicht schon mit Jahresende schwarze Zahlen schreiben könnte, liegt auch an der smarten Kostenkalkulation und der klugen Nutzung von Informationstechnologie. Anders als ein herkömmliches Restaurant kann Rita aufgrund des Online-Vorbestell-Systems die Mengen, die sie zubereitet, exakt abschätzen. Ohnehin kommen fast täglich Lieferungen, was ein flexibles Einstellen auf den jeweiligen Tagesbedarf ermöglicht. "Wenn wirklich einmal etwas übrig bleibt, mache ich Chutneys oder Aufstriche. Das ist natürlich irre effizient", sagt Rita, "Essen wegschmeißen bringe ich nicht übers Herz."

Dass das Essen vegetarisch ist, hat nicht nur gesundheitliche oder modische Aspekte. "Verglichen mit Fisch und Fleisch ist das Risiko bei der Verarbeitung von Gemüse minimal", sagt Rita, "außerdem bin ich selbst seit zwölf Jahren Vegetarierin, weil es mir einfach besser schmeckt."

Die Lastenräder, mit denen die Boxen aus Karton oder recycelbaren Materialien zugestellt werden, sind nicht nur die umweltfreundlichste Transport-Variante: Der Fuhrpark aus drei einspurigen Bullit-Rädern, einem Anhänger und einem dreirädrigen Christiana, alle ausgestattet mit Kühlboxen, kommt in Betrieb und Erhaltung einfach billiger als Lieferwagen. "Uns war von Anfang an klar, dass wir vegetarisch und biologisch kochen wollen", erklärt Rita. "Uns ist eine nachhaltige Lebensweise wichtig. Wenn wir das mit dem Auto zustellen würden, wäre das Konzept kaputt. Es war uns ein Anliegen, Wien ein Stück autofreier zu machen und zu zeigen, was alles mit dem Rad geht."

Freiheit und Selbstausbeutung


Noch einen Erfolgsfaktor gibt es, der den meisten Jungunternehmern bekannt sein dürfte: Ritas Arbeitsleistung überschreitet regelmäßig die Grenzen zur Selbstausbeutung. Denn der Arbeitstag, der um vier Uhr beginnt, geht nach dem Kochen, Verpacken und Ausführen nahtlos in die administrative Arbeit über, wenn Dienstpläne und Zustellrouten für den nächsten fixiert werden, die Abrechnung gemacht wird, wenn Kunden betreut und Zutaten bestellt werden wollen. "Vor dem Einschlafen", erzählt Rita, "suche ich dann im Internet nach interessanten Rezepten und überlege mir den Menüplan für die nächsten Wochen."

Etwas einfacher könnte es werden, wenn erst das eigene Lokal in der Mollardgasse im 6. Bezirk bezugsfertig ist. Im Juli soll dort die eigene Küche aufsperren, dann fällt zumindest das Pendeln zwischen Büro und Küche weg. Aber obwohl das Unternehmen fast ihre gesamte Zeit und Kraft in Anspruch nimmt, geht es Rita "erstaunlicherweise", wie sie sagt, gut: "Wenn es mir keinen Spaß machen würde, könnte ich es nicht durchhalten."

Kann sie ein Vorbild für all jene Menschen sein, die sich auch einmal am Unternehmertum versuchen wollen? Ritas Ratschlag dazu: "Macht es einfach. Probiert es aus. Man muss nicht unbedingt in die Schule gegangen sein oder eine Lehre gemacht haben, um eine Sache wirklich gut zu machen."