Wien. Versteckt liegt das hippe Lokal im Media Quarter Neu Marx im 3. Bezirk. Seit knapp einem Jahr hat das EastEnd hier seine Pforten geöffnet. Seither tummelt sich die Schickeria des Medienghettos. Von den Redakteuren der "Wiener Zeitung" bis hin zu den Moderatoren von Puls 4 lassen sich hier alle von Karin Kramls, vormals Resetarits, Crew zur Mittagszeit bekochen.

Falafel, Minzjoghurt, Feta-Käse, Tomaten, Eisbergsalat, Zwiebeln, Estragon-Senf, alles im selbst gemachten Bun. Dazu Salat und wahlweise Chips oder Pommes. Gülcans Falafel-Burger ist heute der Renner bei den Gästen im gut gefüllten EastEnd. Es brutzelt und es dampft, die Luft ist von einem intensiven Kreuzkümmelgeruch getränkt. Gülcan Y. schüttelt den Kopf, sie ist nicht zufrieden mit ihrer Kreation, die Kichererbsenbällchen sind ihr nicht knusprig genug. Überhaupt sei nicht der Falafel-Burger, sondern der Istanbul-Burger mit Köfte ihre Spezialität.

Gülcan Y., gebürtige Türkin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, war vor ihrer Anstellung Hausfrau, ohne Lehre, ohne Ausbildung, ohne Job und Perspektive. Beim AMS hat sie einen Kurs zur Kindergartenhilfe gemacht, aber zu mehr als einem Praktikum kam es im Anschluss nicht. Die Stellenausschreibung als Köchin hat sie vor einem Jahr in der Online-Jobbörse des Arbeitsmarktservice entdeckt. Zum Bewerbungsgespräch im EastEnd sollte sie statt eines Lebenslaufs etwas Selbstgekochtes mitbringen. Die Sarma mit Minzjoghurt waren ein voller Erfolg. "Meine Stiefmama hat mir das beigebracht", sagt sie mit einem breiten Grinsen.

Die strenge Küchenchefin Valeria


Das EastEnd im Media Quartier Marx befindet sich in einem Backsteingebäude, das früher einmal als Lagerhalle für Chemikalien diente.

Heute kann man hier mal Jewish Hühnerleberpastete, mal Steirer Burger mit Beef, Frischkäse und Kürbiskernöl essen. Burger- und Backstation sind in dem mit Vintage-Möbeln, Büchern und Palettengarten ausgestatteten Lokal für jeden Gast einsehbar. Antonio P. wirft in Gülcans Rücken den Teig in die Luft, etwas zu flott, er landet auf dem Boden und dann im Müll. Antonio ist Sizilianer und steht am Pizzaofen. Das weiße Polo-Hemd, das sich um seinen Oberkörper spannt, hat schon einige Flecken abbekommen.

Antonio hatte einst selbst einen kleinen Imbiss, den er später verkaufte, es folgte eine Eisdiele in St. Pölten, die er auch eines Tages aufgeben musste. Danach wurde es für den 64-Jährigen schwierig, beruflich wieder Fuß zu fassen, man befand ihn als zu alt. Dabei würde er gerne arbeiten, solange es sein Körper mitmacht. "Der Mensch kann ohne Arbeit nicht leben!", ruft der weißbärtige Italiener mit aufgerissen Augen. Seit vier Monaten ist er im EastEnd tätig, wo er auch nach seinem nächsten Geburtstag noch bleiben dürfe, freut er sich und wirft großzügig Ruccola-Salat auf die frischgebackene Pizza. Dann referiert er ein wenig über Missstände in seinem Heimatland, die Mafia und seine in Italien verloren gegangene Würde, die ihm Österreich zurückgegeben habe.