Er hat viele Menschen tief berührt. Obwohl sie ihn nicht persönlich kannten, sondern seine Gedanken und Erlebnisse über die Facebook-Seite "Vinzi Gast" lasen. Hier erreichte der 25-Jährige zuletzt mehr als 6100 Fans. Bereits am 13. August sei der junge Mann "aufgrund tragischer Umstände verstorben", heißt es in einem aktuellen Eintrag am Freitag, den 22. August auf der Seite.

Fremdverschulden?

Welche Umstände zu seinem Tod geführt haben, war zunächst nicht bekannt. Einige Tage später erklärte Cecily Corti, Leiterin der Obdachloseneinrichtung VinziRast, in einem Interview mit dem Fernsehsender W24, dass der 25-Jährige vor seinem Tod verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde. Weitere Informationen habe man weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft erhalten. Die Ermittlungen laufen, sagte Corti.

"Er hatte die Gabe Menschen zu berühren, Herzen zu öffnen und sich seinem eigenen Schicksal zu stellen, egal wie viele Steine es auch in seinen Weg legte. Du wirst hier fehlen", schrieb die VinziRast-Leiterin auf Facebook. Ähnlich sehen das auch Hunderte User, die ihre Betroffenheit und Trauer unter der Todesmeldung kundtun.

Die kleinen Dinge wertschätzen

Auch wenn der Facebook-Account "Vinzi Gast" die PR-Kreation einer österreichischen Werbeagentur war, traf die Botschaft die Menschen mitten ins Herz. Nicht zuletzt lag das wohl an ader Authentizität und Warmherzigkeit des 25-Jährigen. Die Freude über eine warme Mahlzeit, einen gemütlichen Nachmittag in der Bücherei, eine Dusche samt frischer Kleidung oder das Glück über ein eigenes Zimmer, während draußen der Regen tobt: "Vinzi Gast" schaffte es die (bei den meisten verloren gegangene) Wertschätzung für die "kleinen Dinge im Leben" auf besonders gefühlvolle Weise zu vermitteln. Einen tiefen Eindruck hinterließ er auch bei "DerStandard.at"-Redakteurin Bianca Blei, die ihn persönlich traf und eine berührende Reportage über ihn verfasste.

"Der größte Gewinn, den ich machen konnte"

Zuletzt hatte der 25-Jährige, der mit Anfang 20 durch eine finanzielle Misere in die Obdachlosigkeit gerutscht war, ein eigenes Zimmer und arbeitete in einer Bäckerei. Hier wollte er, wie er in seinen regelmäßigen Einträgen schrieb, "mein Bestes geben". In einem seiner letzten Einträge auf Facebook war zu lesen: "Ich hatte Glück unglaubliche Menschen kennenzulernen, die mich so akzeptieren wie ich bin und für die mein sozialer Status unwichtig ist, sondern einfach den Mensch, der ich bin schätzen und respektieren und das ist für mich der größte Gewinn den ich machen konnte!"

Ein Facebook-User brachte es auf den Punkt: "Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt...RIP".