Nach dem Vorbild der New Yorker "Hatzoloh" gibt es auch in Wien eine ehrenamtliche Gruppe jüdischer Ersthelfer. - © Jasmin Ziegler
Nach dem Vorbild der New Yorker "Hatzoloh" gibt es auch in Wien eine ehrenamtliche Gruppe jüdischer Ersthelfer. - © Jasmin Ziegler

Wien. Seit etwas mehr als drei Jahren ist in der Leopoldstadt die Hatzule Wien unterwegs. "Hatzala" bedeutet auf Hebräisch "Rettung". Dabei handelt es sich nicht um einen professionellen Rettungsdienst, sondern um eine Gruppe ehrenamtlicher "first responder". Acht Wiener Juden, die der orthodoxen Gemeinde angehören, haben sich bei der Wiener Rettung und beim Magen David Adom (Roter Davidstern) zu Ersthelfern ausbilden lassen, erzählt der Sprecher der Gruppe, Reuven Rennert. Mit im Team sind auch an die zehn "dispatcher", diese sind großteils Frauen, die eingehende Anrufe annehmen und dann über Funk - alle "first responder" in Bereitschaft tragen ein Funkgerät bei sich - Alarm auslösen. Gegründet wurde die Hatzule vom Wiener Ehepaar Bracha und David Mandl, das den Dienst auch bis heute leitet und damit "einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit bei Notfällen in unserer Gemeinde leistet", wie Rennert betont.

Das Team von Ersthelfern ist nur in einem sehr kleinen Gebiet - zwischen Praterstraße und Rembrandtstraße - unterwegs. Da das Gros der orthodoxen Community Wiens dort lebt und auch die Hatzule-Mitglieder selbst dort leben und meist auch arbeiten, ergeben sich sehr kurze Anfahrtszeiten zu den Notfällen. "Wir sind meistens in zwei bis drei Minuten nach Eingang des Notrufs bei den Betroffenen", sagt Rennert. Davon profitieren die Verletzten oder Erkrankten: Bis zum Eintreffen der Rettung, deren Verständigung die "dispatcher" sofort nach Alarmierung der "first responder" ebenfalls durchführen, sofern dies notwendig scheint, kann wichtige Ersthilfe geleistet werden. Diese Hilfe kann im Auflegen von speziellen Gelverbänden bei Verbrennungen bestehen, im Blutstillen bei Schnittwunden oder sogar im Einsatz von Defibrillatoren.

Ausrüstungen haben die Mitglieder der Hatzule nicht nur in ihren Wohnungen beziehungsweise an ihren Arbeitsplätzen, sondern diese wurden auch an strategischen Punkten im 2. Bezirk positioniert. Zudem stehen drei Mopeds bereit, oft kommen aber auch Autos oder Räder zum Einsatz. So kann das Team der Hatzule bei lebensgefährlichen Verletzungen auch am Schabbat ausrücken. Denn wenn Verdacht auf Lebensgefahr besteht, verpflichten die jüdischen Religionsgesetze dazu, trotz Schabbatruhe zu helfen. Auch in Fällen, in denen man sich unsicher ist, ob die Rettung anzurufen ist oder nicht, falle es vielen leichter, die Hatzule anzurufen, weil es sich bei dem Team um Menschen handle, die man kenne - und die vielleicht auch die eigene Muttersprache sprechen, meint Rennert.