Von drei bis 18 an einem Ort: Der IKG-Campus macht es vor. - © Jenis
Von drei bis 18 an einem Ort: Der IKG-Campus macht es vor. - © Jenis

Wien. In einer Kindergartengruppe singen die Mädchen und Buben gemeinsam mit ihrer Pädagogin ein Lied, mit dem man einander "Schana tova" wünscht - ein gutes neues Jahr, das Juden kommende Woche weltweit feiern. Einen Stock höher wird in einer Volksschulklasse gemeinsam im Deutschunterricht eine Geschichte gelesen. Eine Etage darüber schneiden Mittelschülerinnen und -schüler ein Skelett aus.

Bevor diesen Donnerstag an der Zwi-Perez-Chajes-Schule (ZPC) mit einem offiziellen Festakt in der Synagoge des Hauses das 30-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert wurde, besuchte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Institutionen, die auf dem IKG-Campus im Prater, unter einem Dach geführt werden: Krippe, Kindergarten, Volksschule, Wiener Mittelschule, AHS. Was sie dabei im Gespräch mit Ariel Muzicant, heute Ehrenpräsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IGK) Wien sowie seit Jahrzehnten treibende Kraft hinter dem Projekt ZPC-Schule, besonders interessierte: das Sprachförderkonzept.

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"In manchen Gruppen und Klassen kommen bis zu 80 Prozent der Kinder aus einem nicht-deutschsprachigen Elternhaus", erzählte Muzicant. Dennoch funktioniere der Deutscherwerb gut. "Wir schaffen das." Wie? Man arbeite hier auch mit Einzelförderung, betonte Muzicants Tochter Nathalie Neubauer, selbst Absolventin der ZPC-Schule und heute Vorsitzende des Schulvereins. Dass Kinder mehrsprachig aufwachsen, sei an dieser Schule Normalität. Und auch im Schulalltag sind immer zwei Sprachen präsent: Deutsch und Hebräisch.

Vorzeigeprojekt für Gymnasien


In einer Mittelschulklasse fragt die Ministerin die Kinder, wie lange sie einander schon kennen. "Seit ich drei Jahre alt bin", meint ein Bub, "seitdem ich in den Kindergarten gekommen bin", ein Mädchen. Heinisch-Hosek freut sich sichtlich, dass hier ein Campus-Modell geschaffen wurde, in dem Kinder und Schüler im Alter zwischen 18 Monaten bis zu 18 Jahren unter einem Dach betreut werden.

Im Rahmen des Festakts streicht denn auch Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl hervor, dass sie sich freue, dass die IKG mit ihrem Campus-Modell als AHS-Standort die Wiener Mittelschule umgesetzt habe. Hier sei die gemeinsame Schule für alle bis 14 Realität, die ZPC-Schule damit "ein Vorzeigeprojekt für viele andere Gymnasien". Dass jene, die bis zur Matura bleiben, dennoch eine gute Ausbildung erhalten, macht Muzicant unter anderem auch an der hohen Zahl von Absolventen fest, die im Anschluss an britischen oder US-amerikanischen Universitäten studieren. Ihr Anteil betrage in etwa 30 Prozent. Englisch wird an der ZPC-Schule immer mit Unterstützung von Native Speakers unterrichtet. Auch wenn diese Woche "30 Jahre ZPC-Schule" gefeiert wurden, müsste es eigentlich richtig heißen: "30 Jahre wiedereröffnete ZPC-Schule". Denn bereits vor der NS-Zeit gab es in Wien ein Zwi-Perez-Chajes-Gymnasium, gegründet 1919, benannt nach einem früheren Wiener Oberrabbiner.