Das Gebet zu den Hohen Feiertagen ist für die Juden etwas ganz Besonderes. - © Corbis
Das Gebet zu den Hohen Feiertagen ist für die Juden etwas ganz Besonderes. - © Corbis

Wien. Jedes Jahr im Herbst, kurz nach Schulbeginn, manchmal auch etwas später, je nachdem, was der jüdische Kalender anzeigt, feiern Juden weltweit die Hohen Feiertage, die heuer diesen Mittwoch Abend mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest, beginnen und am 4. Oktober mit Jom Kippur, dem Versöhnungstag, enden. Kulinarisch wird vor allem Süßes serviert: Traditionellerweise sind das Äpfel, die man in Honig tunkt. Aber auch Süßspeisen mit Honig, wie etwa Honigkuchen, werden oft gereicht.

Der süße Honig soll dafür sorgen, dass das neue Jahr - in der jüdischen Zeitrechnung beginnt das Jahr 5775 - süß, also gut wird. Doch auch jeder Einzelne hat es in der Hand, hier etwas zu beeinflussen: Denn die Tage zwischen Rosch HaSchana dienen der Selbstreflexion. Was ist gut gelaufen im zu Ende gegangenen Jahr, wen habe ich gekränkt oder verärgert, wie kann ich das noch bereinigen, was will ich im kommenden Jahr besser machen, was wünsche ich mir?

Shalom Bernholtz führt das koschere Restaurant in der Seitenstettengasse und betreibt in Wien ein koscheres Catering. Für ihn als religiöser Jude stehe das Gericht, das zu Rosch HaSchana gehalten wird, im Mittelpunkt. Ein Gericht übrigens, das nicht nur über Juden gehalten werde, sondern über alle Menschen, wie Benholtz betont. Gute und schlechte Taten würden auf eine Waage gelegt. Je nachdem, was die Waage anzeige, so gestalte sich dann auch das darauf folgende Jahr. Das Feine sei: Bis Jom Kippur gebe es noch die Möglichkeit zur Verbesserung. Wie man sich das vorstellen könne? "Man kann sich entschuldigen, wenn man gestritten hat, oder Geld zurückgeben, wenn man jemandem noch etwas schuldig ist. Und in jedem Fall kann man Spenden für Arme geben."

Auch Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg betont: "Das neue Jahr ist die Möglichkeit, einen neuen Weg zu gehen." Wenn man in sich höre, wisse auch jeder, woran er oder sie dafür arbeiten müsse. Als Oberrabbiner habe er angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage allerdings einen Wunsch, und zwar nicht nur für die Wiener jüdische Gemeinde: "Sehr viel Liebe und Frieden."

Damit ist der Oberrabbiner nicht alleine. Mally Shaked führt Besuchergruppen durch das jüdische Wien, vor allem aber durch den Stadttempel. Sie ist in Israel aufgewachsen, hat dann nach Österreich geheiratet. In die Synagoge gehe sie jeden Schabbat, erzählt sie, aber das Gebet zu den Hohen Feiertagen sei jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes. Da sei man Gott ganz nah. Sie liebt es, dass die Familie zu den Feiertagen zusammenkommt, gemeinsam gegessen und gesungen werde. Dieses Jahr wolle sie beim Gebet vor allem um Frieden bitten: "Frieden für Israel. Das ist das Wichtigste für mich."