Wien. ". . . and this is why I beg you to oppose this motion." Rosa hat ihre Rede beendet, blickt zufrieden in die Runde, sammelt ihre Notizzettel ein und steigt vom Podium. In den letzten sieben Minuten hat sie versucht, die anderen sieben Debattanten von der Notwendigkeit, Gefangene an politischen Wahlen teilnehmen zu lassen, zu überzeugen.

Neben Rosa sitzen auf den roten Stühlen in Raum 15.2 der Wirtschaftsuniversität Wien noch acht weitere Personen. "So viele Leute braucht man mindestens für eine Debatte - zumindest in dem Format, in dem wir debattieren", erklärt Rosa Halmi der "Wiener Zeitung".

Wir, das ist der Debattierklub (DK) Wien, auch Vienna’s International Debating Society genannt. Mit Format meint sie den "British Parliamentary Style", in dem vier Teams zu je zwei Debattierenden gegeneinander antreten - zwei Teams, die für und zwei, die gegen die vorgeschlagene Streitfrage antreten und versuchen, die schlagkräftigsten Argumente, die treffsichersten Analysen, den professionellsten Auftritt zu liefern. Der Clou an der Sache: Die Teams können sich ihre Seite nicht aussuchen, werden also dem Team der "Befürworter" und "Gegner" zugelost und haben nur 15 Minuten Vorbereitungszeit. Danach hat jeder exakt sieben Minuten Redezeit und am Ende entscheidet eine Jury, wer im Vergleich am überzeugendsten argumentiert hat.

Debattieren auch in englischer Sprache


Der DK Wien ist einer von zwei Klubs in Wien, aber der einzige, der Trainings und Debatten auch in englischer Sprache anbietet. "Das ermöglicht uns, an internationalen Turnieren teilzunehmen", sagt Halmi. Und das sehr aktiv und erfolgreich: In einem Ranking der International Debate Education Association (Idea) wird der DK Wien zu einer der hundert aktivsten Debattierinstitutionen weltweit gezählt und findet sich in den Top 20 der nicht-englischsprachigen Vereine wieder. Weltweit sind Australien und die USA Spitzenreiter, auch Israel und Holland liegen immer wieder vorne.

Entstanden ist der DK Wien aus einem informellen Treffen debattierfreudiger Studenten, die sich seit 2004 zu "kontroversiellen Gesprächen" in privaten Wohnzimmern zusammenfanden - seitdem wächst die Mitgliederzahl des Vereins stetig. "Anfangs waren wir froh, wenn wir überhaupt genug Leute für eine Debatte zusammenbrachten. Aber heute passiert uns das nicht mehr", so Halmi. Pro Semester sind es mittlerweile insgesamt um die 200 Studenten und Absolventen, die auf Deutsch und Englisch debattieren wollen und an den wöchentlichen Trainingseinheiten auf Deutsch und Englisch teilnehmen.