Wien. Es gibt das urige Wien. Das Wien der Künstler. Das Wien der Zuwanderer. Und es gibt das queere Wien. In diesem Wien treffen sich Schwule, Lesben und Transgender-Personen, um zu reden, zu feiern, zu leben und zu lieben. Gerhard Niederhofer, Mitarbeiter des Diversity Referats der Wirtschaftskammer Wien, und die Soziologin, Sabine Steinbacher geben Einblicke in dieses Wien. Im Rahmen der ersten Nacht der Vielfalt boten sie Dienstagabend eine "Trans-Vienna-Bus-Tour". 20 Männer und Frauen sind gekommen, vom jugendlichen Unternehmer über die schrullige, ältere Dame bis hin zum lesbischen Liebespaar. Alle waren neugierig und gespannt auf den kommenden Abend, der im Sinne des Kennenlernens und der Aufklärung über das schwul-lesbische Leben stand. Auf dem Plan stand die Buchhandlung Löwenherz, das QWien, ein Archiv der homosexuellen Geschichte und das Café Savoy an der Linken Wienzeile.

"Wir stellen uns selbst in das Eck des Besonderen, weil wir etwas Besonderes sind", sagt Veit Schmidt. Gemeinsam mit Jürgen Ostler hat er 2002 die Buchhandlung Löwenherz gekauft. Die schwul-lesbische Buchhandlung gab es bereits seit 1993. Damals wurde sie gemeinsam mit dem Café Berg eröffnet. Prägend für das Lokal sind seine großen Fenster. "Man wollte sich eben nicht hinter verschlossenen Türen treffen, sondern sich bewusst zeigen", erklärt Soziologin Steinbacher. Im Löwenherz findet sich Literatur zu Themen wie schwulen, lesbischen und transgender Coming-outs über Liebesromane bis hin zu erotischen Romanen. Jeder Winkel des Raumes ist voll mit Büchern. Über den Regalen hängen Regenbogenbanner, Plakate vom Life Ball und von Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst. "Als wir aufgesperrt haben, waren teilweise Lücken in den Regalen-das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, so voll sind sie heute", erzählt Jürgen Ostler schmunzelnd. Anfangs habe er nur nach einem Job neben dem Studium gesucht, dabei blieb er in der Buchhandlung hängen. Die Arbeit im Löwenherz ist vielseitig, denn die Buchhandlung bietet für viele Jugendliche auch eine erste Station des Coming-outs. "Da musste ich erst reinwachsen, aber das Wichtigste dabei ist, einfühlsam zu sein", erklärt Ostler. Neben der Buchhandlung befindet sich eine Schule. "Es gab Reibereien und es gibt sie nach wie vor. Aber mit ein paar homophoben Gymnasiasten kann man umgehen", sagt Schmidt.