Den letzten Tag in seinem Büro verbringt Reinhard Krepler am 16. Dezember. - © Stanislav Jenis
Den letzten Tag in seinem Büro verbringt Reinhard Krepler am 16. Dezember. - © Stanislav Jenis

Wien. Der Chef des Wiener AKH, Reinhard Krepler, geht am 16. Dezember im 68. Lebensjahr in Pension. Nach 25 Jahren als Ärztlicher Direktor und schließlich als Gesamtchef der Klinik hat er das heimische Gesundheitswesen wesentlich mitgeprägt. Er hat zwei Bürgermeister und fünf Gesundheitsstadträte erlebt. Mit der "Wiener Zeitung" hat er über Erfolge und Probleme in seiner Laufbahn gesprochen.

"Wiener Zeitung":Verlassen Sie das AKH lachenden oder weinenden Auges?

Reinhard Krepler: Ich gehe sehr zufrieden, weil ich das AKH in sehr gutem Zustand weiß. Es ist uns gelungen, ein Qualitätsmanagement zu etablieren, das alle Bereiche umfasst - Patienten, Forschung und Lehre. Und ich habe einen sehr guten Stellvertreter, der mit an sicher grenzender Wahrscheinlichkeit mein Nachfolger sein wird.

Was werden Sie nach dem 16. Dezember tun?

Ich werde andere ehrenamtliche Funktionen im Bereich des Gesundheitswesens bekleiden, die mich sehr gut ausfüllen werden. Außerdem werde ich mehr Zeit für meine Familie haben - es gibt immerhin schon sieben Enkelkinder.

Wie umfangreich war ein durchschnittlicher Arbeitstag für Sie?

Die längste Zeit die erste Straßenbahn bis zur letzten Straßenbahn.

Was waren die persönlichen Highlights Ihrer Karriere?

Ich war der letzte Direktor des alten AKH und hatte damit die historische Aufgabe, das neue AKH mit den Kliniken zu besiedeln, und zwar unter der gleichzeitigen Einführung einer neuen medizinischen Struktur. Dadurch ist es gelungen, Teilgebiete, wie beispielsweise die Rheumatologie oder die Pulmologie zu etablieren.

Und was war das einschneidendste Erlebnis?

Ein für mich ganz überraschendes Ereignis war, dass ich eines Tages angerufen wurde und mir mitgeteilt wurde, dass ein Baby entführt wurde. Ich hätte mir nie gedacht, dass so etwas passieren kann, weil wir entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen getroffen hatten. Wir haben uns dann tagelang intensiv darum bemüht, dieses Baby von der verwirrten Frau wiederzubekommen, was am Ende mithilfe der Medien auch gelungen ist. Ich durfte dann auch an der Taufe des kleinen Mädchens teilnehmen und bin bis heute mit dieser Familie in Verbindung. Und ein weiteres Ereignis war das Briefbombenattentat an Helmut Zilk, wo ich in der Nacht ins AKH gefahren bin und bei der Operation dabei war. Das waren schon besondere Zäsuren in meinem Wirken hier.

Gibt es Dinge, die Sie jetzt anders machen würden?

Es ist die Führung eines solchen Hauses nicht nur auf mich zentriert, wie man vielleicht von außen glauben könnte. Alles, was ich tue, ist mit einem Gremium besprochen und ich beteilige den Rektor und meine Mitarbeiter an meinen Entscheidungen. Es geht immer um die Zusammenarbeit. Und ich sehe das AKH auch generell als ein gelungenes Beispiel des Zusammenwirkens von Bund und Stadt Wien.

Wie gut kann diese Zusammenarbeit sein, wenn die Ärzte in den letzten Jahren immer wieder massive Management- und Planungsfehler beklagt haben - Stichwort Streichung von Nacht-Journaldiensten?

Wir betreuen hier 104.000 stationäre Patienten pro Jahr und wir zählen eineinhalb Millionen Ambulanzbesuche. Das ist ein riesiger Betrieb mit entsprechendem Finanzierungsbedarf. Und auch für uns die Weltwirtschaftslage bemerkbar. Wir haben in dieser Situation die Aufgabe, mit den aufbringbaren Mitteln ein Optimum zu leisten, und das wird in verantwortungsvoller Weise getan. Alle Patienten des AKH haben immer die Leistungen bekommen, die sie brauchen und auch in zumutbaren Wartezeiten. Die Verantwortung dafür, dass die Journaldienste ausreichend bedeckt sind, liegt beim Rektorat. Und auch die Verantwortung dafür, dass das Arbeitszeitgesetz der Ärzte strikt eingehalten wird. Ich würde aber meinen, er wird die Unterstützung seitens des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums brauchen.

Was könnte man an der Konstellation Bund und Wien verbessern?

Ich habe mir einige europäische und amerikanische Universitätskrankenhäuser angeschaut - und die Situation ist nicht sehr viel anders als hier. In Deutschland ist für die Krankenbehandlung das Gesundheitsministerium zuständig und für die Forschung das Wissenschaftsministerium. Und die müssen zusammenwirken. In Amerika ist der Träger eines Krankenhauses eine Organisation, die auf vertraglicher Basis mit der Fakultät zusammenarbeiten muss. Also das, was bei uns oft als ungewöhnlich auseinanderklaffend bezeichnet wurde, ist es international gesehen überhaupt nicht.

Dennoch gibt es bereits seit 2004 die Forderung nach einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft.

Woran wir gerade auf Anregung des Rechnungshofes arbeiten, ist eine noch engere Zusammenarbeit zu etablieren. Wir nennen dieses Projekt "Universitätsmedizin Wien 2020". Das Ziel ist eine stärkere Betonung einer gemeinsamen Betriebsführung.

2015 läuft auch die Vereinbarung zwischen Bund und Wien aus -
mit Verlängerungsoption bis 2017. Wird diese wahrgenommen?

Das wäre nicht zweckmäßig. Deswegen wird intensiv an einer neuen Vereinbarung zur gemeinsamen Finanzierung gearbeitet, damit das AKH in einen notwendigen Erneuerungsprozess eintreten kann. Die technischen Anlagen etwa sind schon 40, 50 Jahre alt und müssen erneuert werden. Das betrifft auch viele medizinische Geräte. Und wir wollen diese Gelegenheit auch nutzen, um strukturelle Veränderungen zu machen und Zentren bilden, so wie etwa das bereits gegründete Comprehensive Cancer Center, wo alle Kliniken und Institute, die für die Krebsbehandlung nötig sind, zusammenwirken. Sie entscheiden auch gemeinsam über die Behandlung von Patienten. Sprich: Der Patient kommt durch eine Türe und es unser Problem, wie die einzelnen Fächer zusammenwirken.