Momentan versucht er sich mit Online-Tutorials die Grundkenntnisse für Calligraffiti beizubringen. Kurse werden nämlich zu dieser Stilrichtung noch keine in Wien angeboten. Lediglich zur traditionellen arabischen Kalligrafie gibt es Kursangebote, wie im Afro-Asiatischen Institut, an einigen Volkshochschulen oder in der Orient-Gesellschaft. "Interessenten gibt es mehr als genug, nur sind die Kurse meist so ausgerichtet, dass sich eher Erwachsene dafür anmelden", erklärt der Künstler und Kalligraph Abd A. Masoud. Die Institutionen sollten dafür ihre Kurse und Programme altersgruppengerecht zuschneiden. Auch der Ort eines solchen Kurses spielt eine wichtige Rolle.

In den Workshops, die er in der Orient-Gesellschaft leitet, ermutigt er seine Teilnehmer, sich mit dem arabischen Alphabet auseinanderzusetzen, die Schreibmaterialien kennenzulernen und bestimmte Techniken zu erproben. Der gebürtige Jordanier bezeichnet seine Werke als "eine abgewandelte Form der Kalligrafie." Er bricht die stiltypischen Elemente der Kalligrafie, schwarze Schrift auf weißem Hintergrund, indem er mit verschiedenen Materialien experimentiert und auf diverse Untergründe malt. "Ich versuche dadurch, den Menschen das arabische Kulturgut wieder schmackhaft zu machen und ihnen die Schrift und die Sprache näherzubringen", erklärt Masoud und zeigt dabei auf einige Werke in seiner Rearte-Gallery im 12. Bezirk. Während Samira und Yunus ihre Inspirationen aus der Straßenkunst beziehen, holt sich der Künstler seine Anregungen aus alten arabischen Manuskripten und Karten.

Kleine Kunstwerke


Lenina hingegen beschäftigt sich mit der Schönschreibkunst in Märchenbüchern. Doch auch hier birgt die Kalligrafie ihre Tücken. "Als ich damals anfing, mich mit Kalligrafie zu beschäftigen, war ich nicht mal fähig, meinen Namen halbwegs gerade auf einem glatten Blatt Papier zu übertragen", erzählt die heute 33-Jährige und lacht. Ein handgeschriebenes Buch mit den Sagen Wiens von ihrer Oma faszinierte die alleinerziehende Mutter. "Allein die Initialbuchstaben am Anfang eines Märchens sind kleine Kunstwerke an sich. So etwas wollte ich dann auch mal machen", sagt die Wienerin. Richtig professionell sei sie das Ganze nie angegangen, die Zeit dafür fehlte. "Wenn ich in Pension gehe, dann weiß ich ganz genau, womit ich mich beschäftigen werde. Wenn ich bis dahin noch eine ruhige Hand für die Federn habe", sinniert sie und lacht.

Ihrer Meinung nach versetze traditionelle Kalligrafie den Menschen in eine Fantasiewelt. "Ich verbinde diese Schönschreibkunst mit Märchen. In anderen Bereichen kommt sie ja eigentlich auch nicht wirklich vor", meint die Physiotherapeutin. Obwohl die Kalligrafie immer noch als traditionelle Schreibkunst für Geschichten, Testamente oder Urkunden gilt, modernisiert sich der Stil, langsam aber doch. Spätestens in einigen Jahren verzieren einige Calligraffitis Wiens Stadtbild.