Am sozialen Abgrund


Gegen 14 Uhr ebbt der Strom an Gästen etwas ab. Manche Besucher verlassen die Einrichtung gleich nach dem Essen, manche plaudern miteinander, wie die "Stammgäste", für die eigens eine Ecke im Raum reserviert ist. Andere schlafen am Tisch ein. "Wenn genug Sitzplätze da sind, lassen wir sie schlafen", sagt Zivildiener Jens, denn: "Viele leben auf der Straße und kommen nie wirklich zur Ruhe. Hier sind sie im Warmen und niemand stört sie." Gemeinsam mit dem zweiten "Zivi" sitzt er vor dem Eingang beim Zwiebelschälen. 1094 Kilo davon wurden in einem Jahr verkocht, zudem 2485 Kilo Erdäpfel und 1140 Kilo Teigwaren, 545 Kilo Reis, 720 Kilo Fleisch, 785 Kilo Wurst, 312 Kilo Fisolen, 420 Kilo Bohnen und 820 Kilo Tomaten.

Jens macht sich Gedanken über die Armut inmitten des Wohlstands, auf der "Straße der Verlierer". "Ich frage nach, warum die Leute am sozialen Abgrund stehen. Wie sind sie in ihre schlechte Lage geraten? Was steckt politisch und gesellschaftlich dahinter?" Soziales Engagement könne "nicht dabei aufhören, dass man den Leuten hilft: Man muss weiterdenken." Dazu gehöre auch, Vorurteile und Schwellenängste gegenüber Betroffenen abzubauen. Sein Vorschlag: "Herkommen und mitmachen!"