Der Wiener sucht lieber einen Bankomaten und hebt Geld ab, als mit einer Kreditkarte zu bezahlen. Visa-Service Kreditkarten AG
Der Wiener sucht lieber einen Bankomaten und hebt Geld ab, als mit einer Kreditkarte zu bezahlen. Visa-Service Kreditkarten AG

Wien. Für den gelernten Wiener sind Vorfälle, wie jene nichts Außergewöhnliches. Sie gehören für ihn zur Alltäglichkeit, wie das Schnitzel auf dem Mittagsteller. Vorfälle, in denen man nach einem Arbeitstag und kurz vor Geschäftsschluss noch schnell beim Bäcker ein Brot oder in der Trafik Zigaretten kaufen will, aber ohne Bargeld da steht. Mit Kreditkarte zahlen: Fehlanzeige. "Der Bankomat ist gleich ums Eck", so die vertraute Antwort des Verkäufers. Dass der Bankomat sich dann doch weiter weg befindet, nicht gefunden werden kann oder außer Betrieb ist, überrascht hier wenig. Sollte man das Geld dann doch noch auftreiben, kann man davon ausgehen, dass das Geschäft bereits geschlossen ist.

Wie weit entfernte Welten erscheinen da Städte wie etwa Oslo, wo man mit der Kreditkarte per einmaligem Durchziehen sein Bahnticket löst. Oder Rom, wo der Kaffee in der dunkelsten Gasse mit dem Plastik-Kärtchen bezahlt werden kann. New York City wirkt in diesem Zusammenhang sogar wie die Antithese zum Wiener Verhalten. Wird man in der US-City schief angesehen, wenn man irgendwo mit Bargeld zahlen will, so ist es in Wien genau umgekehrt.

Die Kreditkarte, die am 8. Februar 65 Jahre alt wurde, war in der Bundeshauptstadt seit jeher unbeliebt. Wurde das Plastik-Kärtchen mit dem Magnetstreifen in anderen Städten immer mehr zur Selbstverständlichkeit, so fristet das Kärtchen in der Bundeshauptstadt ein Dasein unter der Wahrnehmungsgrenze. Zu schwer wiegen die über Jahrzehnte gezüchteten Vorurteile der Wiener gegenüber Visa, Mastercard und Co. Die Geldbörse würde sowieso schon mit Plastik-Kärtchen aller Art übergehen, wozu also noch ein weiteres, heißt es da. Außerdem verliere man im Gegensatz zum bar Zahlen seine Anonymität. Und es sei sehr gefährlich, wenn die Kreditkarte verloren geht oder gar gestohlen wird. Ein anderer könnte sich dann problemlos bedienen.

EU will Kreditkarte billiger machen


Im Handel gibt es ebenso wenig Zustimmung. Unhöflich sei es auch, wenn man etwa einem fleißigen und bemühten Wirt die Kreditkarte zum Zahlen in die Hand drückt. Neben Steuern und Versicherung müsse er seinen Gewinn dann auch noch mit der Kreditkartenfirma teilen. Überhaupt sind es die hohen Kosten, die das Plastik-Kärtchen für den Handel unattraktiv machen würden.