- © Stanislav Jenis
© Stanislav Jenis

Wien. Seit dem Sommer 2012 wird in Österreich E-Rolli-Fußball (auch Powerchair Soccer genannt) gespielt. Zwei bis vier Spieler treten in einem begrenzten Feld - mit sechs Meter breiten Toren und kleinen Regelabweichungen zum Fußball - gegeneinander an. Das Besondere dabei: Sie alle sitzen im Elektrorollstuhl.

"Wir werden dieses Spiel haushoch verlieren", prognostiziert Martin Ladstätter, Mediensprecher von Erollifussball.at und Nationalspieler, im Gespräch mit einem Zuseher vor dem Auftaktspiel des zweiten E-Rolli-Spieltages in diesem Jahr. "Sie haben die Jasna."


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www.erollifußball.at
www.ibelieveinyou.at
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In der Turnhalle der Integrativen Schule Hernals haben sich vergangenen Samstag neben den beiden Nationalspielern Ladstätter und der bereits erwähnten Jasna Puskaric knapp 20 Spieler und einige Zuseher eingefunden, um dem Spiel zu frönen. Zu Beginn sieht man an allen Ecken und Enden, wie das (zum Schutz der Füße und für die Ballbehandlung wichtige) Schutzgitter an Rollstühlen befestigt und an letzten Details geschraubt wird.

Ein Vater unterhält sich dabei mit einem Teilnehmer über die deutsche Bundesliga und rätselt darüber, wie den Bayern beizukommen sein könnte. Beim Aufwärmen sieht man Spieler, wie sie den Fußball - Durchmesser 33 Zentimeter - mittels einer schwungvollen Drehung des Rollstuhls schießen und sich einspielen, während andere sich noch das passende Trikot überstreifen.

Jasna Puskaric ist 34 Jahre alt und als Stürmerin gefürchtet. "Es hat alles ganz klein angefangen. Vor zwei Jahren gab es ein Schauspiel mit französischen Spielern, die herkamen, um die Sportart vorzustellen." Seitdem wird gespielt.

Positionswechsel in jedem Spiel


Mitbegründerin des Projekts und Trainerin Doris Fritz erinnert sich: "Es war anfangs für motorisch beeinträchtigte Kinder gedacht, hat sich dann aber über die Erwachsenenspieler weiterentwickelt."

Meistens wird vier gegen vier gespielt. Doch, wo im Fußball Spieler fixe Positionen bekleiden, verhält es sich beim E-Rolli-Fußball anders, wie Jasna Puskaric weiß: "Es gibt Positionswechsel bereits im Spiel. Jeder von uns hat für eine Position Talent, aber wir müssen wechseln, wenn der Trainer das will. Da muss man flexibel sein."

Diesen Zwang zur Flexibilität erklärt Trainer Leonard Vasile: "Wir sind in einem Entwicklungsprozess und achten darauf, dass die Leute polyvalent sind, sodass sie mehreren Positionen spielen und ausgefallene Spieler ersetzen können. Im Training gibt es verschiedene Schwerpunkte. Einmal die Woche üben wir in der Hans Radl Schule Passen, das Stellungsspiel und Torschusstechnik. Am Ende des Monats versuchen wir alle, das Gelernte im Spiel umzusetzen." Dieser "Allroundfähigkeit", die Vasile fordert, müssen sich auch Torjäger wie Puskaric beugen und ab und zu auch einmal das ungeliebte Tor hüten.

Der erste Einsatz verläuft so, wie es sich Martin Ladstätter erwartet hat. Nach anfänglichem Druck seines Teams, Kampf um den Ball, Gerangel bei Eckbällen und einstudierten Angriffsszenarien auf beiden Seiten, zeigt sich die Überlegenheit von Puskarics Team, das nach zweimal zehn Minuten 5:0 siegt.

"Um ein guter E-Rolli-Fußballer zu sein, braucht man Raumgefühl, eine - bis 10 km/h erlaubte - Grundgeschwindigkeit und eine gute Beherrschung des Rollstuhls", erläutern Ladstätter und die 32-jährige Spielerin Karin Ofenbeck.

Die Regeln des Spiels sind einfach - das Runde muss "ins Eckige" - dennoch gibt es regeltechnisch kleine Unterschiede zum Fußball. Darunter das sogenannte 2:1-Foul. "Wenn zwei Spieler einer Mannschaft einem Gegenspieler zu nahe sind, wird auf Foul entschieden und abgepfiffen", sagt Ofenbeck. Bei der Regel "3 in der Box" ist es den Spielern einer Mannschaft nicht erlaubt, zu dritt im Strafraum, des meist 15 x 30 Meter großen Feldes, zu stehen.

Um an dieser Sportart teilzunehmen, bedarf es neben oben genannten Attributen auch eines guten Rollstuhls, was kein billiges Unterfangen ist. Deshalb wurde die Aktion "Ibelieveinyou" ins Leben gerufen. Der 13-jährige Seray Nazimov ist ein großes Talent im österreichischen E-Rolli-Fußball. Es mangelt ihm jedoch an einem geeigneten "Spielgerät".

"Ein Rollstuhl muss die richtige Geschwindigkeit aufweisen. Er sollte auch einen Hinterrad- statt einen Vorderradantrieb haben. Wir versuchen mit dieser Plattform Sponsoren zu finden", bewirbt Ofenbeck dieses Projekt. Nazimov bleiben noch über 60 Tage um das Spendenziel von 6000 Euro zu erreichen (aktuell bei 1650 Euro).

Fußballer Sebastian Prödl als Unterstützer


Ein prominenter Unterstützer von "Ibelieveinyou" ist Fußball-Nationalspieler Sebastian Prödl, der signierte Nationaltrikots zur Verfügung gestellt hat. Eines dieser Trikots erhält man für eine Spende von 500 Euro. Wer nicht so tief in die Tasche greifen kann, vermag bereits ab 10 Euro (dafür gibt es ein Foto des E-Rolli-Nationalteams) Nazimov bei der Verwirklichung seines Traums zu unterstützen.