Wien. (vasa/sir) Der erste Schritt für die Wiederaufnahme der Errichtung von Gemeindebauten ist getan. Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch beschlossen die Gemeinderäte einstimmig den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für den "Gemeindebau Neu" in Oberlaa. Das Projekt wurde vor kurzem bei der SPÖ-Klubklausur in Rust von Bürgermeister Michael Häupl feierlich präsentiert.

Der Gemeindebau soll auf einem sechs Hektar - mehr als sechs Fußballfelder - großen Grundstück auf dem ehemaligen Ge lände der AUA-Zentrale in Favoriten realisiert werden. Etwa 120 Wohnungen werden darin Platz finden. Laut SPÖ sei das Projekt in der Fontanastraße 1 ein Pilotversuch. Sollte dieser Gelingen, will man bis 2018 weitere Gemeindebauten mit 2000 Wohnungen bauen.

Per sogenanntem Sondertopf werden dafür 25 Millionen Euro aufgestellt. Die Grundstücke kommen von der Stadt, den Bau übernimmt eine speziell dafür eingerichtete Gemeindewohnungserrichtungsgesellschaft, an der die städtischen Gesiba und Wiener Wohnen beteiligt sind.

Eine Frage der Qualität


Die Miete in den neuen Wohnungen wird maximal 7,50 Euro brutto pro Quadratmeter kosten. Einen Eigenmittelbetrag wird es nicht geben, wie Wohnbaustadtrat Michael Ludwig erklärte.

Die Ankündigung der Stadt Wien, wieder Gemeindewohnungen zu bauen, bezeichnete der Obmann des österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, Karl Wurm, als "wichtiges Signal".

Es werde jedoch davon abhängen, wie die Rahmenbedingungen ausgestaltet sind und wie sie im Kontext mit anderen Förderungen stehen werden, sagt er am Mittwoch anlässlich der Bilanzpressekonferenz zu gemeinnützigem Wohnbau. "Werden diese denselben hohen Qualitätsanforderungen unterliegen, wie der geförderte Wohnbau?", fragt Wurm.

Die Errichtungskosten im geförderten Wohnbau sind in den vergangenen fünf Jahren aufgrund höherer Standards und ordnungspolitischer Maßnahmen (Energieeffizienz) sehr deutlich gestiegen. Will Wien die Gemeindewohnungen aus Mitteln der Wohnbauförderung errichten, müssten sie den Qualitätsstandards unterworfen werden. Um die Finanzierung zu gewährleisten, müsse sich im Haus auch ein entsprechender Anteil an frei finanzierten Wohnungen befinden. Die frei finanzierten Wohnungen gleichen das Defizit aus, das durch die Kosten der Sozialwohnungen entsteht. Auch Smartwohnungen werden durch frei finanzierte Wohnungen querfinanziert.

Dass Ludwig ankündigte, Gemeindewohnungen gesprenkelt in geförderten Wohnbauten unterzubringen, ist daher wenig überraschend. Ludwig kann sich darüber hinaus auch andere Gesellschaftskonstruktionen vorstellen, wie er zur "Wiener Zeitung" sagte. "Die Vergabe wird aber immer bei der Stadt bleiben, betont er. "Durch die neuen Gemeindewohnungen differenzieren wir unser Angebot noch weiter aus."

139 Gemeindebauten im 10.


Im 10. Bezirk befinden sich 139 Gemeindebauten mit rund 27.700 Wohnungen. Zu den bekanntesten Anlagen des Bezirks zählen unter anderem der George-Washington-Hof, der Karl-Wrba-Hof oder der Quarinhof. Der größte Gemeindebau Favoritens ist die Per-Albin-Hansson-Siedlung mit mehr als 6000 Wohnungen.

Insgesamt leben rund 500.000 Wiener in den 220.000 Gemeindewohnungen. Es gibt etwa 2000 städtische Wohnhausanlagen.

Während die ersten neuen Gemeindewohnungen ihrer Umsetzung bereits einen entscheidenden Schritt näher gerückt sind, werden aktuell mehrere Standorte in der gesamten Stadt auf ihre Eignung für neue Gemeindewohnungen geprüft. Die Gründung der Gemeindebauerrichtungsgesellschaft, an der Wiener Wohnen (49 Prozent) und Gesiba (51 Prozent) beteiligt sein werden, soll vor dem Sommer abgeschlossen sein.