Vor zwei Jahren hat eine Expertengruppe - im Auftrag der damaligen Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) - begonnen, das Strafrecht zu prüfen. Interessant für den Strafvollzug ist vor allem eine mögliche neue Definition der "Gewerbsmäßigkeit": Handelt es sich um eine einmalige Tat oder dient der Diebstahl einer fortlaufenden Einnahmequelle, ist also gewerbsmäßig? Ist sie gewerbsmäßig, ist ein höheres Strafausmaß und Untersuchungshaft vorgesehen. Die Novelle sieht vor, dass nur dann Gewerbsmäßigkeit vorgesehen ist, wenn innerhalb der vergangenen 12 Monate zumindest zwei solcher Taten begangen worden sind.

"Dadurch würde den Strafrahmen sinken und weniger Personen in Untersuchungshaft kommen", erklärt Higatsberger. Und damit weniger Insassen.

Vier Justizwachbeamte kommen derzeit auf 120 Gefangene in der Josefstadt. "Das Personal, das wir haben, können wir nur einsetzen für die Aufgaben, die dringend sind, zum Beispiel die Insassen zum Anwalt oder zum Gericht vorführen." Zeit für Gespräche, um etwaige Konflikte vorzubeugen, bleibt da nicht.

Die Volksanwaltschaft, die seit drei Jahren die Bedingungen in Österreichs Justizanstalten prüft, kritisiert seit 2012 die Missstände in der Justizanstalt Josefstadt. Volksanwältin Getrude Brinek (ÖVP) sieht vor allem in einer Reform des Maßnahmevollzugs für psychisch kranke Rechtsbrecher eine Entlastung der überfüllten Anstalten. Würde man jene in spezielle Krankenhäuser unterbringen, hätten die Justizanstalten auch etwas "mehr Luft." Derzeit befinden sich österreichweit rund 800 Menschen im Maßnahmevollzug. Und sie sind teuer. 20 Prozent der Kosten des gesamten Strafvollzugs - 63 Millionen Euro - machen sie aus, wie der Rechnungshof 2010 in seinem Bericht festhielt. Dabei stellen geistig abnorme Rechtsbrecher nur 10 Prozent der Gefangenen.

Eine Haftanstalt
mit Prestige

Auch in dem Bereich verspricht Justizminister Brandstetter Veränderungen. Nicht schuldfähige Rechtsbrecher sollen in Krankenanstalten untergebracht werden und nicht mehr in Gefängnissen. Brandstetter: "Da wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Wir müssen wirklich sehr umfassend eingreifen in diese Strafvollzugsstrukturen. Da brauchen wir auch die Hilfe von anderen Ministerien, konkret auch des Finanzressorts", sagt er im Interview im Ö1-Mittagsjournal am Montag.

Wann die neue Strafanstalt im Großraum von Wien errichtet werden soll, hat Brandstetter noch nicht bekanntgegeben. Sein Anliegen: "Es wäre schön, wenn wir in Österreich eine Anstalt hätten, die man international herzeigen kann. Dass es nicht so ist wie jetzt, wo wir immer überall hinfahren, um uns anzuschauen, wo es besser ist in Europa." Erst vor drei Wochen musste er sich wieder ein Vorzeigeprojekt ansehen: die bayerische Vollzugsanstalt München-Stadelheim.