"Wir kommen sicher eine Woche mit dem Essen aus, das in unseren beiden Rucksäcken steckt. Wir können uns nun endlich mal gescheit ernähren. Davor haben wir von Mehl und Wasser gelebt. Von Nudeln und Knoblauch - also von Produkten, die preislich unter einem Euro lagen", ergänzt Katja. Jetzt könnten die beiden endlich wieder Obst und Gemüse essen - in anderen Geschäften für die beiden kaum leistbar, wie sie meinen. "Und die Waren hier sind total in Ordnung. Das haut voll hin", betont Katja.

Um den Bedarf an Lebensmittel zu decken, befindet sich "Start Up" unter anderem mit dem Lebensmittelhändler Spar in einer vertraglichen Kooperation, die es dem Vereinsgründer und seinem Team erlaubt, in insgesamt 107 Filialen Lebensmittel abzuholen, die sonst auf dem Müllplatz landen würden (da sie erst seit kurzem das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben oder nur bis zum Tag der Abholung haltbar sind). Weitere Kooperationen mit Großhändlern und dem Sozialmarkt tragen ihr Übriges dazu bei, dass der Verein erfolgreich agieren kann. "In nächster Zeit erhalten wir auch eine Kühlzelle, um größere Mengen zu kühlen, was dann auch unsere Aufgabe etwas erleichtert."

Täglich eine Tonne
Lebensmittel "gerettet"


Es gibt nicht wirklich eine Beschränkung, wie viel Nahrungsmittel sich eine einzelne Person nehmen kann, als Maßeinheit fungiert meistens der "rote Korb". Wenn der voll ist, dann ist es genug. "Wenn jemand viele Kinder hat, gibt es natürlich etwas mehr. Auch Extras, wie Aufstriche, Brot und Süßes", erklärt der Obmann.

Vom Verein wird täglich rund eine Tonne an Lebensmittel "gerettet". Wenn der Ausbau des angrenzenden Lagers vollendet ist, werden auch verstärkt Bedarfsartikel und Haushaltsgeräte verteilt. Auch eine Werkstätte soll in naher Zukunft dazu dienen, dass Menschen ihre defekten Geräte nicht gleich wegschmeißen, sondern zur Reparatur vorbeibringen.

30 bis 80 Menschen
werden täglich versorgt


"Armut kennt keine Nationalität oder Altersklasse", weiß der Obmann. Der Verein selbst hat Mitglieder aus 27 Ländern jeden Alters und kümmert sich pro Tag um 30 bis 80 Menschen in Not. Der Obmann ahnt, dass sich nicht nur viele mit ihren Sorgen alleingelassen fühlen, sondern meist auch alleine sind. Aus diesem Grund ist zusätzlich zur Lebensmittelausgabe und Reparaturstation auch ein Sozialcafé im Entstehen. "Die Menschen sollen dort die Möglichkeit haben zu plaudern, ihre Sorgen zu erzählen und sich zu vernetzen."

In seinem Kampf gegen die Not der Menschen bedient Mühlhauser mehrere Ebenen, um zu helfen, betont aber besonders die Wichtigkeit eines Punktes: Manche Menschen müssen erst lernen, mit weniger auszukommen. "Ich kenne das selbst aus meiner eigenen Situation, in der ich mein Leben anpassen musste. Wenn man knapp über 800 Euro verdient, kann man sich halt kein iPhone oder ein Auto leisten. Oder täglich zwei bis drei Zigarettenpackungen rauchen."

Bescheidenheit und Zurückhaltung im Konsumverhalten seien mitunter die ersten Schritte auf dem Weg aus der Krise, glaubt Mühlhauser zu wissen. Mit dem Verein will er den Menschen zumindest die Sorge über das Vorhandensein der täglichen Mahlzeit nehmen. Sie sollen sich ganz darauf konzentrieren können, wieder auf die Beine zu kommen. Und auch dabei steht der Verein den Menschen mit Rat und Tat zur Seite.

Samariterbund Sozialmarkt,

Gellertgasse 42-48, 1100

Samariterbund Sozialmarkt,

Pillergasse 20, 1150

Samariterbund Sozialmarkt,

Frömmlgasse 19-31, 1210

Soma Sozialmarkt,

Neustiftgasse 73-75, 1070

Soma Sozialmarkt,

Hyrtlgasse 28, 1160

Sozialmarkt Donaustadt,

Ullreichgasse 13, 1220

Sozialmarkt Favoriten,

Braunspergengasse 30, 1100

Sozialmarkt Hernals,

Kalvarienberggasse 15,

1170

VinziMarkt,

Hauffgasse 4A, 1110

Sozialmarkt Firma Gerhard

Rammel GmbH, Pohlgasse

13,1120

Verein Start Up, Hernalser

Hauptstraße 116, 1170

Sozialmärkte in Wien