Wien. Die Stadt soll bis 2020 an die 2000 neue Gemeindebauwohnungen bekommen, erklärten Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig am Mittwoch. Dieser "erschwingliche Wohnraum" soll mit einer Bruttomiete von 7,50 Euro pro Quadratmeter gedeckelt werden. Ein Eigenmittelbeitrag, wie er im klassisch geförderten Wohnbau von den Mietern verlangt wird, fällt weg - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Für eine 60 Quadratmeter große Wohnung beispielsweise müsste man monatlich 450 Euro warm hinlegen. Das Projekt befindet sich mit einer Anlage in Favoriten bereits in der Pilotphase und soll um zwei Gemeindebauten erweitert werden.

Wohnen statt forschen
im IHS-Gebäude


Einer davon ist im 6. Bezirk in der Stumpergasse geplant. Das Bürogebäude nahe der Mariahilfer Straße beherbergte bis vor kurzem noch das Institut für Höhere Studien (IHS). Statt Wirtschaftsprognosen sollen dort neue Gemeindewohnungen entstehen. Die Grünen in Mariahilf hätten an diesem Standort lieber eine neue Ganztagsvolksschule gesehen.

Das IHS hat bereits seinen neuen Standort im Palais Strozzi in der Josefstädter Straße bezogen. Das Gebäude in der Stumpergasse ist jedoch massiv sanierungsbedürftig und in seiner jetzigen Form nicht für die Wohnraumnutzung geeignet. Teure Umbaumaßnahmen seien laut Michael Ludwig wirtschaftlich nicht vertretbar.

Außerdem handle es sich bei dem Bürokomplex aus den 1980er Jahren um "kein rasend architektonisch interessantes Gebäude", das nicht unter Denkmalschutz steht. Daher wird der Bau abgerissen und komplett neu errichtet. Neben rund 60 Gemeindewohnungen soll so Platz für eine Senioren-WG und einen Kindergarten geschaffen werden. Falls das Projekt wie geplant 2017 gestartet werden sollte, kann der Neubau bereits 2019 fertig sein.

Ein in etwa dreimal so großer Bau wird in der Leopoldstadt in Angriff genommen. Am Handelskai 214, wo bereits ein großer Gemeindebau steht, soll das Garagenareal durch eine Tiefgarage ersetzt werden. Die so frei werdende Fläche bietet Platz für neuen Wohnraum. Die geplanten Maßnahmen sind auch für die Mieter interessant, da ihnen so die Kosten einer möglichen Sanierung des Gemeindebaus erspart bleiben können. Es sind neben 600 Tiefgaragenplätzen auch 200 Wohnungen geplant. Diese sollen vorwiegend ein bis drei Zimmer groß sein.

"Grünes Licht" von Stadtplanung erforderlich


Zusätzlich soll darauf geachtet werden, dass den Mietern vom Handelskai 214 nicht die Sicht auf die Donau genommen wird. So sollen nur dort neue Wohnungen gebaut werden, wo in der bestehenden Anlage fensterlose Stiegenhäuser sind. Spätestens 2018 will man mit den Arbeiten beginnen, vor 2017 rücken die Bagger aber nicht an.

Die Verfahren für beide Projekte sind bereits eingeleitet. Da jeweils neue Flächenwidmungen nötig sind, ist die Zustimmung des Stadtplanungsressorts notwendig. Dieses untersteht momentan der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Bezogen auf den Status quo rechnet Ludwig aber mit "voller Unterstützung", da auch die Grünen neue Gemeindewohnungen fordern. Endgültige Gewissheit kann aber erst nach den Wahlen und einer eventuellen Neuverteilung der Ressorts herrschen, heißt es.