Wien. "Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Sie wie Pocahontas aussehen?" Verena Melgarejo Weinandt kann nicht mehr sagen, wie oft ihr diese Frage bereits gestellt wurde. Oft jedenfalls. Sie mag es nicht mehr hören. Weinandts Vater stammt aus Bolivien, ihre Mutter ist Deutsche. Sie selbst ist in Berlin groß geworden, hat einige Jahre in Argentinien gelebt und studiert nun Kunst in Wien. Ihre indigenen Wurzeln sind Weinandt ins Gesicht geschrieben. Doch über die Disneyprinzessin und andere romantisierende Bilder gehe die Wahrnehmung indigener Menschen in Europa nicht hinaus, beklagt sie. Das Bild sei völlig verzerrt: Kaum etwas sei hier bekannt über die Lebensrealität in Lateinamerika, und es fehle auch das Interesse. Südamerika sei ganz weit weg.

Auch Barbara Staudinger kann etwas über schablonenhafte Bilder im Kopf erzählen. Die Wiener Kuratorin forscht seit vielen Jahren zu jüdischer Geschichte. Wenn man sich damit auseinandersetzt, wie Juden gesehen werden, ist man rasch mit Stereotypen konfrontiert. Das spiegelt sich zum Beispiel auch in den Fotos von Juden wider, die Ethnografen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aus aller Welt nach Österreich brachten. Darauf sind dann "typische Szenerien" zu sehen: der alte Mann etwa, der mit einem kleinen Buben über der Tora sitzt, oder romantische Darstellungen jüdischer Händler. Beliebt war auch "die schöne orientalische Jüdin".

Ethnografische Museen sind in den vergangenen Jahren zunehmend mit Fragen konfrontiert. Was stellt man aus? Wie stellt man Menschen, die vermeintlich anders sind, dar? Das Weltmuseum am Heldenplatz arbeitet aktuell an seiner Neukonzeption. Im Rahmen der Wienwoche hinterfragen nun zwei Kulturprojekte in den derzeit leeren Räumlichkeiten des Museums den Umgang mit ethnografischen Objekten und versuchen, Stereotype aufzubrechen.

"Juden schauen": So haben Staudinger und Co-Kurator Herbert Justnik ihre Installation benannt. Juden schauen: Das verbindet man sofort mit einer voyeuristischen Perspektive. Es könnte aber auch so gelesen werden: "Juden, die schauen", merkt Justnik an. Interessantes historisches Detail: Auch jüdische Ethnologen zogen im 19. Jahrhundert aus, um "das Typische" einzufangen, etwa in Galizien. Doch schon damals gab es auch dort eine assimilierte Oberschicht. Gefragt waren aber Bilder von Juden, die auch wie Juden aussahen. Ähnlich gestaltet sich heute auch die Herausforderung von Medien, Beiträge, die sich mit Juden oder jüdischen Themen befassen, zu illustrieren. Nicht immer sind aber die Fotos betender orthodoxer Juden an der Klagemauer in Jerusalem die wirklich passende Bebilderung.