Wien. "Es gibt auch andere wichtige Themen, abgesehen von den Flüchtlingen, in der Stadt: Bildung ist einer dieser". Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Michael Häupl offiziell den Bildungscampus in der Seestadt Aspern. Ein Experimentierfeld der Moderne, in dem die Schulorganisation der Zukunft stattfinde, meinte er weiter. Der Campus sei schon das fünfte Modell in der Stadt, erklärte Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ), und weitere neun werden in den nächsten Jahren errichtet, betonte er.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) bezeichnete die Bildungseinrichtung als ein "all-in-System", in dem durch die Verbindung von Kindergarten und Volksschule optimale Lernbedingungen für die jüngeren Generationen geschaffen werden. Wien sei ein Musterbeispiel für ganz Österreich in Sachen Bildung, sagte Heinisch-Hosek weiter. Im Vollbetrieb werden 800 Kinder den Bildungscampus besuchen. Der Kindergarten bietet Platz für elf Gruppen, die Ganztagsschule umfasst 17 Klassen sowie acht Pflichtschulklassen und eine Übergangsklasse für Kinder mit körperlichen Behinderungen.

Es sei kein Zufall, dass genau die Seestadt Aspern als Entwicklungsgebiet diesen "Experimentierort der Bildungspolitik im 21. Jahrhundert" beheimate, meinte Häupl. Zur Bildungsreform auf Bundesebene zeigte sich der Bürgermeister optimistisch. Wenn es gelinge, eine Einigung mit dem Regierungspartner zu allen Kernfragen und Inhalte zu finden, werde diese nicht an der Frage scheitern, "wer die Gehaltsschecks der Lehrer unterschreibt", betonte Häupl.

Doch obgleich es um die Eröffnung einer Bildungseinrichtung ging, rotierte die Diskussion um ein Thema: Die bevorstehende Wahl am 11. Oktober. Der Bürgermeister wiederholte sein dezidiertes Nein zu einer Koalition mit der FPÖ: "Einer der wenigen Dinge, mit der ich mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache übereinstimme, ist es, dass wir beide gegen politische Zwangsehen sind".

Es fehle nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine emotionale Grundlage, um einer rot-blauen Zusammenarbeit zuzustimmen, sagte Häupl. Wer sich nicht von den Bildern in den Medien, wie jene des ertrunkenen Buben, berührt fühlt, habe kein Herz und keine Seele, bekräftigte er. Er werde für jedes Wahlergebnis die Verantwortung tragen und nicht einfach davon laufen, beendete Häupl die Diskussion.