Der Ministerrat lehnt das Ultimatum am 3. Oktober ab, bezeichnet es sogar als "verbrecherischen Anschlag". Tags darauf flammt die Streikbewegung erneut auf, allein in Wien beteiligen sich 145 Betriebe. Straßen und Plätze werden blockiert, Gleisanlagen mit Sand- und Schotterfuhren zugeschüttet. Es kommt zu erneuten Auseinandersetzungen der Streikenden mit Franz Olahs Streikbrechern, am 6. Oktober werden die Proteste eingestellt. "Das wurde mit dem Argument verteidigt, man hätte die Republik gerettet - mit Schlagstöcken. Die Republik wurde zum Feigenblatt für Privatinteressen", merkt Ozan Özoglu an.

Als die Streikwelle losbrach, wurde sie von Regierung und Medien umgehend als kommunistischer Putschversuch und Gefährdung des Wiederaufbaus interpretiert. Dass die Streiks in Wien größtenteils von KPÖ-Betriebsräten aus den damals unter sowjetischer Kontrolle stehenden USIA-Betrieben organisiert wurden, fütterte diese Behauptungen. Nicht nur die KPÖ dementierte dies heftig, auch Historiker rehabilitieren die Partei, die damals einen Stimmanteil von nur fünf Prozent aufwies, mittlerweile weitestgehend. "Die Arbeiter stellten rein wirtschaftliche und auch keine übertriebenen Forderungen. Natürlich hat die KPÖ an den Streiks teilgenommen - genauso wie Teile der SPÖ oder des VdU (Vorgängerpartei der FPÖ, Anm.). Außerdem begannen die Streiks in Linz, was außerhalb der Sowjetzone lag", sagt Kübra Atasoy-Özoglu.

Bei Streik droht Abschiebung


Bis zum "Streikjahr" 2003, in dem sich fast 800.000 Arbeitnehmer an Protesten und Arbeitsniederlegung beteiligten, blieb es in Österreich eher ruhig. 1962 forderten die Metallarbeiter die Abschaffung der niedrigeren Frauenlohngruppen. "Allerdings haben sich die Arbeitgeber nicht bewegt und es ist an verschiedenen Orten gestreikt worden, bis die Sozialpartnerschaft nicht mehr wegschauen konnte und unterstützen musste", betont Kübra Atasoy-Özoglu. "Der ÖGB hatte sich die Forderung nach Abschaffung der Frauenlohngruppen schnell zu eigen gemacht. Auf dem Papier klang die Durchsetzung auch gut, aber in der Realität wurden die Frauen dann einfach als Hilfsarbeiterinnen eingestuft, was an ihrem sozioökonomischen Status nichts geändert hat."

Das Projekt soll aber nicht als bloße Kritik an der Sozialpartnerschaft gesehen werden. Es geht vielmehr um das Aufzeigen von Widersprüchen und Missständen, meinen die Organisatoren. "Beispielsweise haben wir auf der einen Seite österreichische Arbeiter, die streiken, auf der anderen Seite aber Gastarbeiter, die nicht streiken dürfen, weil sie sonst abgeschoben werden", meint Kübra Atasoy-Özoglu. Ähnliches gilt für das Arbeitsverbot von Flüchtlingen, das ebenfalls im Stück behandelt wird. "Flüchtlinge arbeiten trotzdem hier, weil sie müssen. Machen wir uns da nichts vor, die sind alle in der Schwarzarbeit oder Saisonarbeit beschäftigt. Daraus wird viel Profit geschlagen. Wir arbeiten das auch mit dem Nichtvorhandensein von Dokumenten auf. Beispielsweise gibt es zu der Thematik keinen einzigen offiziellen O-Ton vom ehemaligen ÖGB-Chef und jetzigen Sozialminister Hundstorfer", merkt sie an.

Das mehrsprachige Live-Audiotheater "Den Betrieb stören" wird am 1. Oktober um 18.30 Uhr im Festsaal des Brigittenauer Gymnasiums in der Karajangase 14 aufgeführt. Ab 19 Uhr wird das Stück auf Radio Orange übertragen.