Wien. Die FPÖ in der Stadtregierung? Schon bald könnte dies in Wien Realität werden. Von Umfrage zu Umfrage erhöht sich ihr Stimmenanteil. Lagen sie bei den vergangenen Wien-Wahlen 2010 noch knapp 20 Prozent hinter der erstplatzierten SPÖ, so könnten die Blauen nun zur stimmenstärksten Partei werden. Meinungsforscher schließen dies mittlerweile ebenso wenig aus wie die Chefetage der SPÖ. Zuletzt sprach SPÖ Klubchef Andreas Schieder von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Bürgermeister-Partei und ihren Herausforderern. Es sei sogar möglich, dass die FPÖ Erste werde, fügte er hinzu.

Unvorstellbar, dass in der SPÖ ein Stein auf dem anderen bliebe, wenn sie den Bürgermeister-Sessel an Heinz-Christian Strache verlieren würde. Ein Umbruch in der Partei wäre unvermeidlich und Michael Häupl müsste seinen Hut nehmen. Doch würden die Roten als Zweitplatzierte eine Koalition mit dem ewigen Erzfeind FPÖ wagen? Immer mehr Genossen spielen dieses Szenario durch, heißt es hinter vorgehaltener Hand in SPÖ-Kreisen. Vonseiten der FPÖ wäre man für eine blau-rote Koalition jedenfalls bereit. Nach Bürgermeister Strache würde Klubchef Johann Gudenus den Vizebürgermeister und Sicherheitsstadtrat stellen. Doch welche Ressorts streben die Blauen darüber hinaus an? Die "Wiener Zeitung" hat sich in der FPÖ umgehört:

Eduard Schock (Stadtrat für Finanzen):

"Linksfaschistische Gutmenschen", "Strafcamps für kriminell gewordene Jugendliche", "Türken und Araber weisen ein erhöhtes Gewaltpotenzial auf." Mit diesen und ähnlichen Sagern und Forderungen kennt man den Gemeinderat und nicht amtsführenden FPÖ-Stadtrat Eduard Schock. Das Mitglied der schlagenden Burschenschaft Aldania, bei der er den Coleurnamen Hagen trägt, ist seit 20 Jahren der Wirtschaftssprecher der FPÖ. Mit öffentlicher Fiskalpolitik beschäftigte sich der Doppeldoktor (Jus, Volkswirtschaft) schon während seines Studiums. Er ist der wahrscheinlichste Kandidat für den Finanz-Stadtrat in einer blau-roten Regierung, wie er bestätigt. "Es gibt niemanden, der so lange in der FPÖ auf diesem Gebiet tätig ist", sagt er. Als Finanzstadtrat würde er ein Sonderinvestitionsprogramm auf die Beine stellen. "Man wird investieren müssen, das ist keine Frage", sagt er: Nötig seien ein Vorziehen des Schulsanierungsprogramms, die Beschleunigung des U-Bahnausbaus, eine Investitionsoffensive für Spitäler, mehr Ärzte und eine Wohnbauoffensive (5000 neue Gemeindewohnungen pro Jahr). Das Geld dafür möchte er vor allem über die Einschränkung der EU-Wanderungsfreiheit aufstellen. Ausländer sollen nur noch nach Wien kommen dürfen, wenn sie ein Jobangebot in der Stadt vorweisen können.