Wien. Nach vorläufigen Ergebnissen der Wien-Wahl konnte die FPÖ am Montagabend - neben Simmering - Floridsdorf als weiteren Flächenbezirk für sich verbuchen. So lag sie zu Redaktionsschluss im 21. Bezirk mit 38,53 Prozent der Stimmen auf Platz Eins, während die SPÖ mit 37,68 Prozent auf Platz Zwei landete.

Aufgrund des knappen Ergebnisses hielten sich am Montag die Vertreter beider Parteien zurück. In der SPÖ-Bezirksvorstehung unter der Leitung von Georg Papai, der erst vor einem Jahr sein Amt als Bezirksvorsteher angetreten hat, wollte man nicht zu früh eine Niederlage eingestehen. In der FPÖ-Vertretung unter dem amtierenden Floridsdorfer Bezirksvorsteherstellvertreter Karl Mareda war man ähnlich zurückhaltend und wollte keinen etwaigen Sieg verschreien. Man wolle auf das endgültige Ergebnis warten.

Fest steht nur: die Freiheitlichen haben erheblich zugelegt. Im 21. Bezirk gibt es rund zwei Dutzend Sprengel, wo die FPÖ die absolute Mehrheit holen konnte. So leuchtet etwa das Grätzel südlich des Heinz-Nittel-Hofs bis zur Siemensstraße - wie schon 2010 - dunkelblau auf. Hier kam die FPÖ in einigen Sprengeln gar über die 60-Prozent-Marke. Im Umfeld der Großfeldsiedlung dominieren ebenfalls die Freiheitlichen.

An der blauen Basis ließ man diesbezüglich seinen Gefühlen bereits am Wahlabend am Sonntag freien Lauf. "Floridsdorf", grölte eine kleine Gruppe vor einem der Bildschirme im Partyzelt der FPÖ vor dem Rathaus, als die ersten Hochrechnungen aus ihrem Bezirk zu sehen waren. "Die FPÖ leistet bei uns großartige Arbeit", meinte eine Bewohnerin des Bezirks. Jahrelang hatte die frühpensionierte Bankangestellte für die SPÖ gestimmt. Seit den vergangenen zwei Gemeinderatswahlen hat sie sich jedoch entschlossen, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und seinen Männern im 21. Bezirk ihre Stimme zu geben.

Der Bezirk der SPÖ-Granden


Auch der 22-jährige Lehramtsstudent Mario freut sich über den Erfolg der Freiheitlichen. "Als ich noch klein war, bin ich in Floridsdorf barfuß über Erdbeer-und Spargelfelder gelaufen. Jetzt ist da nichts mehr. Die SPÖ hat das alles zubetoniert", sagt er. Vertrauen in die SPÖ hat er schon seit seiner Jugend verloren. Er weiß noch, wie er von den jungen "Sozialisten" als "Nazi" ausgebuht wurde, als er noch als Teenager eine Zusammenarbeit mit den blauen Kollegen forderte. Er weiß, dass Wiener "SPÖ-Granden" aus seinem Bezirk stammen. Da wäre einmal der Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der Wohnbaustadtrat und mehrfach kolportierte Häupl-Nachfolger Michael Ludwig und der Präsident des Wiener Landtags, Harry Kopietz. Abschätzig schnalzt Mario mit der Zunge, wenn er den Namen des "Vaters des Donauinselfests" erwähnt. Als junger "Sozi" hat er sich damals für den großen Kopietz "den Arsch aufgerissen", und der hat ihm noch nicht einmal gegrüßt oder gar gewunken, als er ihn und seine Gruppe von Mitstreitern vergangenes Jahr am Donauinselfest gesehen hat. "Überheblich arrogante Kaiser" seien sie die SPÖler. Deswegen hätten sie Simmering und Floridsdorf verloren, so lautet Marios Conclusio.

Knapper Sieg im Zehnten


Auch in der benachbarten Donaustadt, die insgesamt zwar rot geblieben ist, hatte es die SPÖ allerdings ebenfalls schwer. Auffallend dabei ist, dass auch in der Gegend des größten Stadtentwicklungsgebiets von Wien, nämlich beim ehemaligen Flugfeld Aspern, ganze Flecken blau eingefärbt sind. In großen Teilen blau koloriert ist auch der bevölkerungsreichste Bezirk Favoriten, der mit einem Plus von 0,83 Prozentpunkten nur knapp in den Händen der SPÖ bleibt. In der riesigen Per-Albin-Hansson-Siedlung im 10. Bezirk fuhren die Freiheitlichen teils eine absolute Sprengelmehrheit ein.