Wien. Am Juridicum hat man endlich eine Lösung für überlaufene Pflichtveranstaltungen gefunden. Vorbei sind die Zeiten nervenaufreibender Knock-out-Prüfungen. Heute ist das Auswahlverfahren darwinistischer. Ein unbedachter Schluck aus dem Wasserhahn reicht - und siehe da, die überlaufene Vorlesung ist dezimiert zu einer überschaubaren Runde. Solche und andere Witze erzählen sich angehendende Rechtswissenschafter dieser Tage am Juridicum. Der Grund: Seit knapp einer Woche sollen die Studenten das Leitungswasser an ihrem Institut nicht trinken.

Auffällige Werte sollen bei einer "Routineuntersuchung" festgestellt worden sein. Eine "akute Problemsituation" sei hingegen nicht gegeben, so das offizielle Statement der Universitätsleitung am vergangenen Dienstag. Warum das Wasser keine Trinkwasserqualität habe, wurde nicht gesagt. Lediglich, dass man die Situation im Griff habe, das Personal mit Wasserflaschen versorgt sei und sich die Studenten demnächst an Wasserspendern bedienen könnten. Am Wochenende werden die Leitungen noch einmal gereinigt. Am Montag soll dann die nächste Untersuchung stattfinden. An der Universität ist man zuversichtlich das Wasser Mitte nächster Woche wieder freigeben zu können.

Dennoch, die Studenten sind aufgebracht, insbesondere die Studienvertreter. Sie fühlen sich gelinkt von der Informationspolitik der Universitätsleitung. "Mittlerweile wissen wir, dass bereits im Sommer bekannt war, dass ‚mit dem Wasser etwas nicht stimmt‘. Die Geheimnistuerei gegenüber den Studierenden ist für uns keineswegs akzeptabel und erschüttert unser Vertrauensverhältnis zum Dekanat. Festgehalten werden muss, dass die Probeentnahme, die in den Zeitungen und vom ORF als ‚Routinekontrolle‘ bezeichnet wurde, lediglich auf Nachdruck einiger Universitätsmitarbeiter stattfand", schreibt Caroline Lesky, Vorsitzende der Fakultätsvertretung Jus, in einer Stellungnahme. So haben sich Universitätsmitarbeiter bereits am 3. August darüber beschwert, dass braune Flüssigkeit aus den Leitungen kommt. Das Management hat eine Trinkwasseranalyse veranlasst. Sie besagte, dass im Wasser ein erhöhter Eisenwert festgestellt werden konnte. Um den Wert zu normalisieren, wurde das Wasser mit einer Chemikalie durchspült. Laut Auskunft des hauseigenen Arbeitsmediziners sei zu keiner Zeit "eine Gefahr für die Gesundheit bestanden", steht in dem E-Mail, das Mitte Oktober an die Mitarbeiter hinausging und der "Wiener Zeitung" vorliegt. Auf Wunsch der Mitarbeiter wurde eine weitere Untersuchung nach Trinkwasserverordnung zu diesem Zeitpunkt in Auftrag gegeben. Dieses Mal war das Ergebnis beunruhigender: Eine "geringfügige Parameterüberschreitung bei "Pseudomonas Aeruginosa" sei im Wasser festgestellt worden.