Wien. (aum) "Wir wollen und werden es auch bauen", ist Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH überzeugt. Das Projekt Lobautunnel als Teil der Nordostumfahrung S1 bleibt auch nach der Neuauflage der rot-grünen Wiener Stadtregierung ein Streitpunkt. Während sich SPÖ (dafür) und Grüne (dagegen) jedoch über den mit 1,9 Milliarden Euro veranschlagten Bau streiten, versucht die Autobahngesellschaft Asfinag vorzupreschen und Fakten zu schaffen. Sowohl am Projekt als auch am Zeitplan (Bau des Tunnels von 2018 bis 2025) werde festgehalten, heißt es dort.

Vorsichtiger reagierte SPÖ-Verkehrssprecher, Gemeinderat Gerhard Kubik, auf die "überfallsartige Präsentation" der Asfinag über die der Klub nicht informiert gewesen sei. "Verkehrstechnisch bin ich auf Seite derer, die meinen, es ist sinnvoll, das zu machen. Umwelttechnisch habe ich gehört, dass sehr viel geprüft worden ist und von externen Gutachtern befunden wurde, dass es sich um die beste Lösung handelt", erklärte Kubik gegenüber der "Wiener Zeitung". Ob das Projekt Lobautunnel letztlich realisiert werde oder nicht, sei aber keine reine Verkehrsfrage, sondern eher eine politische Entscheidung zwischen Rot und Grün und müsse auch über den roten Klubobmann Christian Oxonitsch abgehandelt werden. "Es ist eine Frage des Zusammenlebens von Rot und Grün und wie weit man da auf einen grünen oder rot-grünen Zweig kommt", sagt Kubik.

Auf grüner Seite machte Verkehrssprecher Rüdiger Maresch sogleich klar: "Wir Grüne halten das Milliardenprojekt Autobahntunnel unter dem Nationalpark Lobau für umweltschädlich, zu teuer und nicht stadtverträglich." Das höchste Interesse Wiens müsse der Erhalt des Nationalparks Lobau sein. Die strategische Umweltprüfung für das Projekt habe im Vorfeld ergeben, dass die jetzt vorgeschlagene Tunnel-Trasse die schlechteste von allen geprüften Varianten sei, sagt der grüne Verkehrssprecher. Es könne zu Zersiedelung kommen, während die Ansiedelung weiterer Fachmarktzentren auf niederösterreichischen Grund die lokale Wiener Wirtschaft zerstören könnte. Hinzu kämen noch verstärkter Transitverkehr und die Zunahme an verkehrsbedingten CO2-Emissionen.

Im März 2015 wurde in erster Instanz ein positiver Umweltverträglichkeitsbescheid für den S1-Abschnitt Schwechat bis Süßenbrunn - inklusive des umstrittenen Tunnels - ausgestellt. Dieser wurde aber beeinsprucht und liegt nun in zweiter Instanz beim Bundesverwaltungsgericht.

ÖVP-Landesparteiobmann Gernot Blümel begrüßte wiederum den Vorstoß der Asfinag. Der Lückenschluss der S1 durch den Lobau-Tunnel müsse nun endlich angegangen werden. Und auch der freiheitliche Verkehrssprecher, Stadtrat Toni Mahdalik, erklärte: "Um dem immer stärker werdenden Verkehrsaufkommen in den Ost-Bezirken Wiens entgegenzuwirken, ist der Bau des Lobautunnels unumgänglich." Eine neuerliche Variantenprüfung sei lediglich verschwendetes Geld. Diese beläuft sich laut Asfinag. auf 20 bis 40 Millionen Euro.

Ob es dieses Geld wert sei, ausgegeben zu werden? "Was sollen diese 40 Millionen bedeuteten?", kommt die Gegenfrage von Gerhard Kubik. "Das ist nur eine Zahl. Was da inbegriffen ist und überhaupt geprüft wird, muss die Asfinag erst erklären." Er habe dazu keine Detailinformationen, erklärt der Gemeinderat. Jedenfalls werde es nächste Woche Gespräche zwischen den Fraktionen geben, um zu entscheiden, wie mit dem Thema weiter umgegangen wird.