Wien. Es war ein riskantes Experiment, das die HipHop-Szene in Österreich im Vorfeld teils sehr skeptisch betrachtete: der erste Wiener HipHop-Ball am Samstagabend hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine Melange aus klassischem Ball und erlesener HipHop-Kultur zu kreieren.

Dementsprechend nervös, aber optimistisch waren im Vorfeld sowohl die Künstler, als auch Veranstalterin Sajeh Tavasolie. Letztere war sich durchaus bewusst, dass bei der noblen Veranstaltung im Palais Niederösterreich zwei Welten aufeinander prallten - Klassik und Hip-Hop.

"Ich bin mit HipHop in Wien aufgewachsen - und wir befinden uns in der Welthauptstadt der Bälle schlechthin. Da hab ich mir gedacht, das sollte man kombinieren", so die Veranstalterin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Einer der Live-Acts, der bekannte kurdische HipHop-Star Majid, reiste extra aus Deutschland an und sprach "von einer völlig neuen Erfahrung". "Die Herausforderung ist es, in einem Anzug und mit einem Rollkragenpulli meine Show zu machen. Das ist etwas Anderes", sagte Majid.

Als dann kurz vor Beginn der etwas verspäteten Eröffnung ein großer Bilderrahmen, der für die Veranstaltung montiert worden war, zu Boden fiel und in 1000 Scherben zerschellte, hofften alle, dass die Scherben wirklich das sprichwörtliche Glück bringen würden.

Spätestens bei der Eröffnung dann die Erleichterung: Majid, Tavassolieh und alle anderen konnten aufatmen. Das Experiment schien geglückt, denn die rund 900 Gäste nahmen den Mix aus Klassik und HipHop-Kultur mehr als wohlwollend auf. Die Laissez Flair Dance Company tanzte zuerst den Donauwalzer von Johann Strauß, gespielt vom Ambassade Orchester Wien. Danach folgte eine Kombination mit Mozarts Divertimento und Urban Dance. Der Wiener Walzer wurde zunehmend von HipHop-Bewegungen und Breakdance zu Beatboxklängen und elektronischer Musik abgelöst.

Im Unterschied zu "herkömmlichen Bällen" trugen die vorwiegend jungen Gäste Sneakers und Kapperl - zum Erstaunen von Benimm-Guru Thomas Schäfer-Elmayer, der sich höchstpersönlich vor Ort einen Einblick verschaffte und durchaus Lob für den Ball übrig hatte. "Es ist natürlich eine Diskrepanz da, zwischen dem Breakdancer, der auf der Straße irgendwie aufgewachsen ist, und jetzt ist er plötzlich in diesem Palais, in dem ein Ball stattfindet", so sein Urteil.

Kleider mit Sneakers "sehen lustig aus"
Dennoch sprach Elmayer auch von positiven Aspekten dieser ungewöhnlichen Melange: "Sowohl die kurzen als auch die langen Ballkleider mit den Sneakers schauen sehr lustig aus, und sind für die Damen sehr angenehm", unterstrich er.
Summa summarum zog er am Ende des Ballabends ein positives Resümee: "Der Eindruck ist, dass alle Gäste relativ abwartend waren und sich eher skeptisch der ganzen Sache gegenüber gezeigt haben, weil sie es nicht gewöhnt sind, dass man auf einmal etwas Ball nennt, was eine größere Party ist. Das ist eben diese Verbindung, die hier versucht wird, zwischen Ball und Party und Hip-Hop und klassischer Balleröffnung und solchen Dingen. Ich hoffe, dass es gut ankommt, weil ich diese Vielfalt bei den Wiener Festen etwas sehr Wertvolles ist."

Tavassolieh jedenfalls ist überglücklich und plant schon den HipHop-Ball 2017.