13 österreichische Staatsbürgerschaften gefordert

Investoren Peter Lengersdorff, Richard Chandler. - © Ludwig Schedl, Bloomberg,Munshi Ahmed
Investoren Peter Lengersdorff, Richard Chandler. - © Ludwig Schedl, Bloomberg,Munshi Ahmed

Einer der kleineren Investoren der Schule habe für sein Investment 13 österreichische Staatsbürgerschaften, darunter für sich selbst und seine Familie gefordert. 500.000 Euro wurden Kremb geboten, wenn er dies unterstützen würde. Doch er ging nicht darauf ein. Für Kremb der Grund für seine fristlose Entlassung. Außerdem hegt er den Verdacht, dass Lengersdorff auf dem Areal langfristig Luxusimmobilien machen will.

Ein Brief an Häupl, in dem er den Bürgermeister bittet, ein "Machtwort" zu sprechen, war vergebens. Häupl hätte noch einmal alles herumreißen können, sagt Kremb heute zur "Wiener Zeitung". Doch Häupl kümmerte es anscheinend nicht, was hinter den Mauern der Schule vor sich ging. Zum Erstaunen von Kremb. "Ich war überrascht, wie schnell und einfach die Türen aufgingen, als wir mit dem Projekt anfragten", erzählt der Amadeus-Schulgründer. Und wie schnell die Türen auch wieder zu waren, nachdem er auf der Straße stand. Nach dem letztinstanzlichen Urteil des Oberlandesgerichts Wien vom Februar 2014 darf Kremb behaupten, dass er von seinen "ehemaligen Mitstreitern betrogen" wurde.

Warum wollten die Investoren Kremb loswerden? Mit dem Rausschmiss des Ideengebers kappten sie schließlich die Verbindung nach Asien. Haben die Investoren überhaupt Interesse an einem Erfolg des Schulprojekts?

Auch drei Schuljahre später kämpft die Schule noch mit Schwierigkeiten. Wie ein ehemaliger Lehrer erzählt, der nicht genannt werden will, sei die Stimmung am Boden. Die Mitarbeiter würden nicht lange bleiben, in drei Jahren gab es drei Direktoren. Die Schülerzahlen sind weiterhin gering. Nur zwei Pavillons wurden renoviert. Der dritte ist leer und heruntergekommen.

Im Hintergrund spielen sich unterdessen weitere fragwürdige Vorgänge ab. So wurde Ende 2014 das von Richard Chandler finanzierte Nobel Education Network verkauft. Der Käufer ist Rising Tide, eine Investmentgesellschaft mit Sitz in der Schweiz und in Singapur, die behauptet, eine wohltätige Krebsstiftung zu sein. Anfragen der "Wiener Zeitung", warum eine wohltätige Krebsstiftung ein Eliten-Schulprojekt aufkauft, wurden genauso unkommentiert gelassen wie Fragen über eventuelle krebsbehandelnde Einrichtungen, die von der Stiftung unterstützt werden. Dazu gibt es keine Stellungnahme von Rising Tide. Für eine gemeinnützige Stiftung in der Schweiz ein ungewöhnliches Verhalten gegenüber Medien.

Zweistelliger Millionenbetrag an wahlkämpfende Tea Party

Weitere Recherchen offenbarten eine andere Seite der "Wohltätigkeitsstiftung". Laut der Schweizer "Tagesanzeiger-Sonntagszeitung" hat der Chef der Stiftung des Schweizer Standorts, Shawn Stephenson, einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag an die in den USA wahlkämpfende Tea Party gespendet. Laut Experten eine illegale Finanzierung, da Geld aus dem Ausland in einem US-Wahlkampf nicht verwendet werden darf. Auch dazu gibt es keine Stellungnahme von Rising Tide.

Zudem liegt der Verdacht nahe, dass Chandler bei Rising Tide seine Finger im Spiel hat. Nur einen Steinwurf von seinem Büro entfernt, befindet sich die asiatische Ausgabe der Krebsstiftung. Ihr CEO ist John Forsyth, ein langjähriger Wegbegleiter und enger Mitarbeiter von Chandler, von dem er "mein Vollstrecker" genannt wird. Ist Chandler gar der Kopf von Rising Tide und die Krebsstiftung nur ein Feigenblatt, um Schwarzgeld von russischen Oligarchen zu waschen? Wurde beim Kauf der Nobel Education Network, das die Amadeus-Schule mitfinanziert, Geld gewaschen? All diese Fragen stellte die "Wiener Zeitung" der Pressestelle der Krebsstiftung, erhielt aber keine Antwort. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wie geht es nun mit der Amadeus-Schule weiter? Wird die Stadt auch die restlichen drei Pavillons des Semmelweis-Areals an Lengersdorff und Chandler verkaufen? Derzeit befindet sich darin noch die Geburtsklinik. Sie soll in das Krankenhaus Nord übersiedelt werden, sobald dieses fertiggestellt ist. Laut dem städtischen Krankenanstaltenverbund (KAV) wird es Ende 2017 so weit sein.

Lengersdorff ist zuversichtlich. Die Schule sei ein Erfolgsprojekt, sagt er. "Ich bin optimistisch, dass im Schuljahr 2015/16 der Break Even Point (Gewinnschwelle, Anm.) erreicht wird." Für ihn steht außer Frage, dass die Investoren alle sechs Pavillons bekommen werden. Das sei auch immer schon das Gesamtkonzept gewesen. Und: "Es gibt schon eindeutige Zusagen von der Politik." Von wem wollte er aber nicht verraten.

Auch im Rathaus erhält man keine Antwort über die Zukunft des Semmelweis-Areals. Drei Jahre, nachdem Häupl die Amadeus-Schule als "Vorzeigeprojekt" angepriesen hat, will man anscheinend nichts mehr damit zu tun haben. "Es wird darüber nicht gesprochen", sagt ein Mitarbeiter des KAV, der nicht genannt werden will. Er verweist auf KAV-Generaldirektor Udo Janßen, der Bescheid wissen müsste. Doch dieser spielt den Ball weiter: "Das Nachnutzungsthema ist in den Obliegenheiten der Stadt Wien zu sehen. Der KAV hat es zwar genutzt, es sind aber Immobilien der Stadt Wien. Die Frage der Nachnutzung liegt nicht in unserer Kernkompetenz." Wer dafür zuständig ist, kann er nicht sagen. Die politische Verantwortung für den KAV liegt bei Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Was mit den drei Pavillons passieren wird, sei Sache des KAV, spielt sie den Ball zurück. Sie habe jedenfalls nichts damit zu tun.