"Wenn man über Tourismus in Österreich redet", spricht man doch auch von Schönbrunn und Skifahren und nicht von Lawinen", meint Amel Salihbasic . - © Diva Shukoor
"Wenn man über Tourismus in Österreich redet", spricht man doch auch von Schönbrunn und Skifahren und nicht von Lawinen", meint Amel Salihbasic . - © Diva Shukoor

Wien. Amel Salihbasic sitzt in einem Separée im Restaurant Campus, auf dem Gelände der Wirtschaftsuniversität. Er schlürft an seiner Tasse Cappuccino. Kleine Augen, breites Grinsen, kräftiger Händedruck.

Salihbasic ist eigentlich ein diplomierter Ingenieur, ein IT-Techniker. Also ein digitaler Mensch. Was ihn also verführt hat, einen Reiseführer für Bosnien und Herzegowina herauszugeben? "Es war ein Zufall", sagt er. Salihbasic ist nämlich auch ein reiselustiger Mensch. Er hat in seinem Leben einen Großteil Bosnien und Herzegowinas bereist und fotografiert. Diese Fotos und seine Erlebnisse hat er 2011 in Form eines kuratierten Albums gesammelt und seinen Bekannten gezeigt. Schließlich pflanzte ihm ein guter Freund die Idee ein, daraus ein Buch zu machen.

Anfangs war er sich nicht sicher, obwohl ihn die Idee gereizt hat. Einmal im Kopf, lässt sich eine Idee nicht so leicht abschütteln: Ein Jahr später beschloss er, doch den Schritt in die Print-Welt zu wagen. Also zückte er seine Kamera und besuchte die schönsten Flecken des Landes noch einmal. 2014 entstand schließlich daraus das Buch: "Komm, entdecke, erzähle weiter", ein im Selbstverlag gedruckter Reiseführer über die 30 schönsten Orte Bosnien und Herzegowinas.

Erster Reiseführer des Gebietes mit Bildern

"Ich habe das nicht getan, um damit reichlich Geld zu verdienen. Ich habe lediglich einen Bedarf gesehen und wollte dann was Eigenes schaffen", erklärt Salihbasic. Er fungierte als Fotograf, Autor, Layouter und sogar als Kartenzeichner. 800 Exemplare wurden auf Deutsch gedruckt. Ende 2015 kam die zweite Auflage, diesmal 1400 Stück, auf dem Markt. 2015 folgte auch eine italienische Version.

Mit seinem Reiseführer richtet er sich primär an West-Europäer. "Die Menschen in Europa wissen nicht, wie Bosnien aussieht. Das wollte ich ändern", sagt Salihabsic. Sein bebildertes Buch soll dazu beitragen. "Die herkömmlichen Reiseführer - es gibt übrigens nur zwei oder drei, die sich Bosnien und Herzegowina widmen - sind reiner Text. Ich wollte mein Buch bewusst mit vielen Fotos füllen, sodass der Leser gleich Lust bekommt hinzureisen" erklärt er.

Salihbasic nimmt ein Exemplar seines Reiseführers aus seinem Rucksack und blättert durch. "Schau wie wunderschön das Land ist", sagt er. Er zeigt auf Wasserfälle, schneebedeckte Berge, alte, authentische Städte wie Stolac aber auch auf die alte Brücke in Mostar, seine Lieblingsstadt. "In Mostar stimmt einfach alles. Mediterranes Klima, das Essen ist köstlich und das Obst, mein Gott, das Obst ist so frisch und lecker. Die unausgelastete Atmosphäre und natürlich die alte Brücke machen die Stadt unvergleichlich", schwärmt Salihbasic.

Neben Mostar sind Sarajevo und Medjugorje - eine inoffizielle Pilgerstätte -, die Zugpferde des Tourismus. Zwischen Jänner und Oktober 2015 (die letzten verfügbaren Zahlen), besuchten 966.870 Touristen das Land. 2000 waren es nur 171.000 Besucher. Insgesamt verzeichnete das Land im Jahr 2015 mehr als zwei Millionen Übernachtungen, meldet das Amt für Statistik Bosnien und Herzegowinas.

17.786 Besucher kamen aus Österreich

Auch Österreicher finden sich unter den Touristen - 2015 waren es insgesamt 17.786. Das sind lediglich 1,8 Prozent. Amel Salihbasics Ziel ist es, diese Zahl zu erhöhen. Deshalb das Buch. Deshalb der Eigenverlag. Und deshalb sein unermüdlicher Einsatz. Er hat das Buch während Konzerte und Veranstaltungen aktiv beworben, und Deals mit Vertrieben ausgehandelt. Den Reiseführer findet man nun bei Thalia, Morawa, Buchhandlung Frick und sogar auf Amazon. Er überlegt sogar kleinere Reisen durch Bosnien zu veranstalten, um seine Mission voranzutreiben. "Ich kann natürlich nicht alleine Werbung für das ganze Land machen. Das muss schon der Staat machen. Ich will lediglich darüber informieren, was das Land alles zu bieten hat", erklärt Salihbasic seine Intention.

Das Problem mit Bosnien und Herzegowina ist laut Salihbasic, dass es kein Ministerium auf Staatsebene gibt. Sehr wohl gibt es Ämter auf Entitätseben. Die Republika Srpska war zum Beispiel auf der Ferienmesse im Jänner dieses Jahres mit einem Stand vertreten, während von der Föderation Bosnien und Herzegowina nicht einmal ein Flugblatt zu finden war. "Man kann ein Land aber nur als Gesamtpaket bewerben. An Werbung jedoch fehlt es eindeutig", sagt Salihbasic.

Sein Buch bewirbt auch kleinere Orte, die man sonst in keinem Buch oder Blog findet. Kleine und große Flüsse, die sich zum Rafting eignen. Idylische Berge zum Wandern. Moscheen, Kirchen und Synagogen zum Beten. Das Buch könnte auch als Versuch gedeutet werden, das zu vereinen was der Krieg so grausam gespalten hat. "Diese jahrelang andauernde Unterteilung ist kontraproduktiv. Alle Religionen gehören zu Bosnien. Sarajevo gilt nicht umsonst als das Europäische Jerusalem. Ich möchte mit dem Buch dem Leser eben dieses Bild vermitteln, nämlich dass all das was man da drinnen sieht, zu Bosnien gehört", so Salihbasic.