Wien. Freitag, Samstag und Mittwoch wird die neue Pratersauna fix offen sein. Donnerstag oft, aber nicht immer. Der Garten wird deutlich größer sein, während Terrasse und Pool in etwa gleich bleiben. Beim gezapften Bier muss vorne eine Drei stehen und das wird auch lange so bleiben, also 3,90 Euro für ein Krügerl, meint Martin Ho, der neue Chef der Sauna beim Baustellenbesuch. Mit dabei ist Max Wanderer, 21 Jahre jung, der mit Paco Di Bango einen wesentlichen Teil der Musik programmieren wird.

Der Pool (r.) soll in einem Monat wieder mit Wasser gefüllt sein. - © Niederwieser
Der Pool (r.) soll in einem Monat wieder mit Wasser gefüllt sein. - © Niederwieser

Da, wo in fünf Wochen schon schöne Menschen in Bikinis und Badeshorts im Strandclub der neuen Pratersauna liegen sollen, stampfen gerade noch grobe Stiefel über die offene Erde und die Fahrspuren von Baggern. In den Ästen der Birke hängt am Pool eine einsame Discokugel, wie um zu zeigen, dass hier eine Partyikone schlummert. Sieben Jahre lang hat die Pratersauna den Ton in Wiens Clubkultur angegeben. Im Jänner wurde furios drei Tage durchgehend Abschied gefeiert. Am Ende hatten viele Fans wohl immer noch nicht ganz realisiert, dass man erst merkt, was man hat, wenn man es nicht mehr hat.

"Wir wollen damit den Druck von den Sorgen und Erwartungen der alten Pratersauna-Fans nehmen und optimieren den Club nur technisch, räumlich und logistisch. Die Sauna steht weiter für Social Life und Arts, ist offen und soll alle Zielgruppen ansprechen", meint Martin Ho im Gespräch. Heute wie damals, so lautet das Motto, unter dem das Re-Opening deshalb steht. Man will zeigen, dass es Kontinuität gibt. Tatsächlich sind überraschend viele Dinge übernommen worden. Und während im anliegenden Club Vie I Pee nur selten angekündigt wird, wer auflegt - weil man ohnehin nicht wegen der Musik hingeht -, soll den Musikern in der Pratersauna weiterhin mit Respekt begegnet werden.

Eröffnet wird die Sauna, so wie sie geschlossen wurde: mit einer Party über 36 Stunden. Das Line-up hätte zu 100 Prozent auf jedes Wochenende der alten Sauna gepasst. Rudy Wrany aka "Crazy Sonic", der seit Jahrzehnten die Wiener Clubkultur prägt und kommentiert, wird den Mittwoch gestalten, inklusive dem sommerlichen Nachtschwimmer.

"Kein Sonntag ohne Techno" wird keinen Sonntag ohne Techno und Blumen im Haar feiern. Andere machen unter neuem Namen weiter. Oder sie waren in Clubs aktiv, die der Sauna sehr nahestanden und -stehen. Sogar die alten Chefs, Hennes Weiss und Stefan Hiess, machen im Sommer den 5-Uhr-Tee weiter. Also alles gleich und alle Aufregung um die Übernahme und alle Tränen umsonst? Sicher nicht.

Katzen, Terrasse und Strand

Denn natürlich wird sich die Sauna nicht nur äußerlich verändern - was sie übrigens schon laufend in den ersten Jahren getan hat. Mit Martin Ho gibt es einen Geschäftsführer, der allen Zwischenrufen und Spott zum Trotz, nebenan seit einem Jahr den erfolgreichen Club Vie I Pee betreibt. Er hat das Geld, das sich die vorigen Betreiber langsam zusammenstottern mussten, um neue Leitungen zu verlegen, Wände einzureißen und den Garten um die Hälfte zu vergrößern.

In der alten Sauna wohnten Katzen in der Zwischendecke, die mit sanften Mitteln nicht zu vertreiben waren und mit ihrem Gestank - ja, Katzen haben Ausscheidungen - zwei Räume unbenutzbar machten. Das neue Office für die Dots-Gruppe mit riesiger Privat-Terrasse im Obergeschoß tut das ganz einfach. Im Grunde weinen ja viele der alten Sauna nach, die zuletzt ohnehin nicht mehr dort waren.

Wenn von einem geheimen Member Club für Stammkunden, Family und Friends die Rede ist, dass "der Freitag musikalisch sehr breit aufgestellt" sein soll oder am Pool ein kleiner moderner Vergnügungspark mit Beach-Shop errichtet wird, schrillen bei vielen natürlich die Alarmglocken. Clubkultur hatte immer einen egalitären Anspruch. Wir sind hier heute alle gleich. Ganz egal ob Serbe, Bosniake, queer, schwul oder Bauer aus dem Pitztal. Wir feiern hier heute unter einem Groove. Dass dem manchmal nicht so war, macht den Anspruch um nichts weniger aufregend. Einige Pläne klingen nun so, als gäbe es hier neue Schranken, als müsste man sich Zugang erkaufen, sie klingen nach sozialer Hackordnung, die man wenigstens am Wochenende im Club nicht vor Augen geführt bekommen will. Aber auch das ist Clubkultur heute. Wer das nicht will, geht ins Celeste, ins Werk, ins Donau oder manchmal in die Grelle Forelle.

Die Baustelle ist aktuell im Plan, auch wenn es nicht so aussieht. Das versichert der Pressesprecher von Martin Ho. Etwa 30 Bauarbeiter sind an diesem Nachmittag dabei zu betonieren, zu schrauben und zu löten. Am Hauptfloor fehlen mittlerweile einige Wände, die Bar wird frei im Raum stehen, weiter hinten kommt eine Cocktailbar hinzu.

DJ vor der Glaswand

Der DJ wird vor der Glaswand stehen, also von der entgegengesetzten Richtung in den Raum spielen. Die Soundanlage wird später extra für die Räume angefertigt. Das Glashaus soll dabei ganz dem Underground gewidmet sein, wie Martin Ho sagt. Auch das kann man dem neuen Team erst einmal glauben. Und dieses muss dann liefern. Regierungen gibt man für ihre Vorhaben 100 Tage Schonfrist. Die neue Pratersauna hat noch ein Drittel, bis sie wieder aussperrt. Auch weil die Kantine im Alten Zollamt im 3. Bezirk noch keine permanente Bleibe in Wien gefunden hat, werden viele, aber sicher nicht alle sagen - endlich.

Zum Autor

Stefan Niederwieser

ist Chefredakteur von "The Gap - Magazin für Glamour und Diskurs", das sich regelmäßig und kritisch mit österreichischer Clubkultur auseinandersetzt.

Die Pratersauna eröffnet am Wochenende von 29. April bis 1. Mai u.a. mit Chez Damier, Moomin, Djebali.