Sound:frame im Brut Wien. - © sound:frame
Sound:frame im Brut Wien. - © sound:frame

Wien. Zum letzten Mal wird das Sound:frame Festival dieses Jahr veranstaltet. 66.000 Besucher, mehr als 60 Auftragsarbeiten und hunderte Stunden Party später - was bleibt nach zehn Jahren von der audiovisuellen Kunst?

"Der Stellenwert von audiovisueller Kunst ist heute höher, es gibt mehr Kollaborationen und Projekte, in denen Visuals integrativ dazu gehören, nur im Club sind sie seltener geworden", meint Eva Fischer, die heuer zum letzten Mal das Sound:frame Festival kuratiert. Sound:frame hat über zehn Jahre hinweg jeden April Wiener Clubs und Ausstellungsflächen dominiert. Es transformiert sich jetzt, wird sich konstant über das ganze Jahr ausbreiten, mit großen und kleineren Projekten, die über Monate oder auch kurzfristig organisiert werden. Eva Fischer versucht, die Umstände nicht zu vereinfachen, warum das so nötig geworden ist. Es gibt den einen Bösewicht nicht, der dafür verantwortlich wäre, eines der renommiertesten Festivals der Stadt auf dem Gewissen zu haben. Es sind wie so oft viele Gründe.

Gratiskonkurrenz

Eva Fischer ist die Initiatorin und künstlerische Leiterin. - © sound:frame
Eva Fischer ist die Initiatorin und künstlerische Leiterin. - © sound:frame

Einer davon ist die Konkurrenz. "Ich habe mir Wien immer so gewünscht", sagt Eva Fischer. In der Stadt ist der Party- und Ausstellungsplan trotz Krise praller als jemals zuvor. Festivals für Filme und Musik, für 3D-Druck, Design und Kreativität oder kleine Clubfestivals finden parallel dazu statt. Erst letztes Wochenende brachte das Electric Spring tausende Menschen ins Museumsquartier, ein Festival mit sehr ähnlicher Ausrichtung, mit hohem künstlerischen Anspruch und noch dazu bei freiem Eintritt. Man hat zwar miteinander kooperiert, aber einfacher wurde die Situation durch die Gratiskonkurrenz für das Sound:frame nicht.

Nur Gastro zu machen, weil das noch am ehesten Geld bringt - das hat seine Reize, war für das Sound:frame aber nie das Ziel. Man war stattdessen an Qualität interessiert und schon immer auf Förderungen angewiesen. Einige davon brachen einfach weg.

Das ZIT, die Technologieagentur der Stadt wurde aufgelöst, das Bundeskanzleramt hat seine Förderung ohne nähere Angaben gestrichen. Andere Sponsoren machen einfach nichts mehr im Bereich elektronischer Musik. So wurde das MAK - jahrelang enger Partner - heuer unleistbar. Und 2011 hat man sich verkalkuliert. Davor waren die Besucherzahlen rasant gewachsen, die Eröffnungen wurden immer voller, Magazine, U-Bahn-Screens und Facebook waren übervoll mit Ankündigungen und Artikeln über das einzigartige Festival. Eva Fischer wurde 2010 zur Österreicherin des Jahres im Bereich der Kreativwirtschaft gewählt. Und plötzlich war da ein ordentliches Minus. Und Neid.