Wien. Die Wiener SPÖ hat am Samstagnachmittag ihren Flüchtlings-Leitantrag einstimmig beschlossen. Dass die Streitigkeiten mit der Leitresolution damit allerdings nicht endgültig begraben sein dürften, zeigte davor die mehrstündige Debatte am Parteitag.

Dutzende Genossen hatten sich zum Flüchtlingsthema zu Wort gemeldet, bevor die entsprechenden Anträge abgestimmt werden konnten. In der rund fünfstündigen Diskussion wurde das Meinungsspektrum innerhalb der Wiener SPÖ noch einmal sichtbar. Die Äußerungen reichten von der Verteidigung bis zur scharfen Kritik des Kurses von Bundeskanzler und Bundesparteichef Werner Faymann.

Anstand vs. Respektlosigkeit 

"Anstand statt Notstand", forderte etwa Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. Junge Vertreter formulierten es noch schärfer. "Wie weit will sich die Bundespartei noch von ihren Grundwerten distanzieren", fragte sich etwa Saya Ahmad aus der SPÖ-Alsergrund. Ex-Landesparteisekretär und Gemeinderat Christian Deutsch wiederum geißelte den Taferlprotest des Parteinachwuchses vor Beginn des Treffens. Das zeuge von Respektlosigkeit. Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid hielt fest: "Niemand stellt den humanitären Ansatz in der Flüchtlingsthematik infrage."

Abgesehen von der bereits beschlossenen Leitresolution standen noch eine Reihe anderer Anträge zum Flüchtlingsthema am Programm. Über diese wurde am Nachmittag noch diskutiert. Darunter finden sich auch die deutlich näher an der Bundeslinie - im Sinne einer Eindämmung - formulierten separaten Anträge einiger Flächenbezirke. Ihre Abstimmung stand noch bevor.