Wien. Ein junger Mann mit grauem Pullover ruft schnippisch im Vorbeigehen: "Heute Revanche!". "Ich will nicht", antwortet Karol Kot lächelnd. Der Mann zieht weiter nach vorne Richtung DJ-Pult, Karol alias "ARL" fokussiert sich wieder auf das bevorstehende "Dreistil"-Freestyle-Battle. Er wirkt leicht nervös, sein Blick schweift durch die jugendliche Menge im Loft. Das Wiener Gürtellokal ist mit rund zweihundert Leuten gut gefüllt, Beats von Wu-Tang-Clan bis 50 Cent dröhnen aus den Boxen. Das Graffiti an der Wand bildet gemeinsam mit den tanzenden Lichtern an der Decke ein rundes Bild. Hip-Hop liegt in der Luft.

"ARL auf die Bühne!", tönt der Moderator schließlich und reißt den 23-jährigen aus seinen Gedanken. Ein freudiges Raunen geht durch das Publikum, Karol richtet sich auf der Bühne das Mikrofon ein. Vier weitere Rapper gesellen sich zu ihm. "Das letzte Mal war Scheiße, und heute wird’s hoffentlich nicht das gleiche", rappt Karol gleich drauf los, ein großgewachsener Rapper neben ihm blickt ihn gespannt an. Nächster dran, wieder 40 Sekunden Zeit um sich vorzustellen. Ein kleiner Typ mit Wollhaube und beiger Polojacke schraubt das Tempo nach oben: "Oida ARL, ich kauf deiner Freundin ein neues Fahrgestell." Gelächter aus dem Publikum. Karol weiß nicht so Recht zu kontern, von seiner gewohnten Lässigkeit ist wenig zu spüren. Dann doch ein guter Einfall: "Ich seh aus wie ein Karlsplatz-Junkie? Doch ich steh für Frieden wie Mahatma Ghandi", versucht er das Ruder noch einmal herum zu reißen. Nach jeweils zwei Vorstellungsrunden und einer eher durchschnittlichen Leistung verlassen die Rapper die steinerne Bühne. "Wir reden nicht darüber. Ich glaube nicht, dass ich in der nächsten Runde bin", ist Karol sichtlich enttäuscht.

Battles in drei
Kategorien


Karol rückt seinen Sessel zurecht, wir sitzen vor Eventbeginn im Eingangsbereich an einem kleinen Tisch. Durch das große Fenster sieht man Autos den Lerchenfelder Gürtel herunterrollen. Der junge Mann mit der Kappe nippt an seinem Mineralwasser, er spricht schnell und angeregt: "Der erste Dreistil-Event war vor zwei Jahren. Da hat Dreistil eine Facebook-Seite gegründet. Wer Lust hatte, konnte sich mit einem Song für die Teilnahme bewerben. Schließlich konnte man dann beim Freestyle-Battle, A-Cappella-Battle oder Song Battle mitmachen. Da ich ewig nicht mehr gefreestylt habe, habe ich mich beim A Capella angemeldet. Da rappt man ohne Beat mit einem vorgeschriebenen Text gegeneinander", erklärt er das Konzept dahinter. Seither ist Karol gern gesehener Stammgast, zwei Mal konnte der Rapper das Freestyle-Battle bereits für sich entscheiden. "Ich, ein typischer Battle-Rapper? Nein, das bin ich nicht. Ich veräpple den Gegner eher als dass ich dieses "Abstechen-Ding" mach", und spielt damit auf das bei Freestyle-Battles oftmals gesehene Gangsterimage an.

Etwas anderes würde man Karol auch nicht abkaufen. Für ihn sei das Ganze ein Spiel: "Du hast einen Gegner auf der Bühne und bist in einer spontanen Situation. Beide müssen in ein paar Zügen versuchen den Gegner aus dem Spiel zu werfen." Erster Kontakt Mit Hip-Hop in Kontakt kam der Wiener mit polnischen Wurzeln im Alter von 13. Mit seinem ersten Song war er jedoch alles andere als zufrieden, wie er eingesteht: "Ich habe gemerkt, dass ich doch nicht so talentiert bin und habe es dann einige Zeit gelassen." Über das Internet feierte er einige Jahre später dann doch erste Erfolge: Auf einer Webseite konnte man kostenlos Battle Songs gegen andere Rapper hochladen. Das habe ihm geholfen, "denn das erste Mal auf die Bühne zu kommen und jemanden zu beleidigen, da ist schon eine große Hemmschwelle da."

Wir werden unterbrochen, ein Jugendlicher mit Kurzhaarschnitt begrüßt Karol freudig. Rapper "Shogun" ist 18 und seit Beginn beim Dreistil dabei: "Das Dreistil ist sehr schnell gewachsen. Ich kenne die Veranstalter, es steckt einfach eine gute Idee dahinter. Es gibt auch immer Videos von den Battles." Und auch für Karol hat er nur gute Worte übrig: "Ein ziemlich guter Battler. Mir gefällt besonders, dass die Lines krachen, die kommen unerwartet lustig." Die Veranstalter sind Daniel und Alex, beide über 30, letzterer ist als DJ Funky P am Platten drehen. "Wichtig ist uns, dass wir eher unbekannten Rappern, die am Beginn ihrer Karriere stehen, eine Plattform bieten", erklärt Alex. "Deshalb gibt es bei den Freestyle-Battles keine Voranmeldung, Rapper können einfach an der Vorrunde teilnehmen."

Vorrunden-Aus Draußen am Gehsteig steht Tanja D. Grüne Jacke mit Kapuze, grauer Schal. Sie ist bereits am Aufbrechen nach der ersten Runde: "Ich war das erste Mal da und überrascht, dass auch auf Englisch gerappt wurde. Manche waren echt mies, aber ich werde wieder kommen", sagt die Niederösterreicherin. Wobei ihr nicht gefallen habe, "dass so viel übers f***** gerappt wurde, das ist total langweilig".