Wohnbaustadtrat Ludwig versprach ab 2017 eine jährliche Neubauleistung von 13.000 Wohnungen. 9000 sollen davon gefördert errichtet werden. Damit stärkt man ein in Wien alt bewährtes System: In den letzten Jahren betrug der geförderte Neubau stets um die 7000 Einheiten.

Neben dem geförderten Wohnbau setzt die Stadtpolitik auf ein weiteres, in Wien fest verankertes, Miet-Segment: Die Gemeindebauten sollen bis 2020 auf 4000 verdoppelt werden. Seit mehr als 20 Jahren wurden keine mehr gebaut. Neu sind dabei die Mietdeckelung von 7,50 Euro pro Quadratmeter (inklusive Betriebskosten und Steuer) sowie der Entfall der Eigenmittel. Diese musste der Mieter aufbringen, um zur Projektfinanzierung beizutragen.

Der erste Neo-Gemeindebau entsteht in der Fontanastraße im 10. Bezirk mit 120 Wohnungen. Zurzeit lebt jeder vierte Wiener im Gemeindebau. Die Durchschnittsmiete beträgt 6,80 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten.

Investoren-Präsident Louzek sieht die Wohnbau-Offensive der Stadt grundsätzlich positiv. Trotzdem wiederholt er seinen Wunsch nach Anreizen für die privaten Bauträger: "Die öffentliche Hand kann das nicht alleine leisten. Die Politik hat lange verschlafen, den Privaten unter die Arme zu greifen." Gegenwärtig habe sich der Wohnungsmarkt für gewisse Schichten zugespitzt, in Zukunft sehe er aber keine "große Obdachlosigkeit" in Wien. Auf die Frage, ob Marktmieten von 9,20 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietung langfristig nicht trotzdem zu hoch seien, antwortet Louzek: "Anscheinend zahlt das ja noch wer. Der freie Markt reguliert das schon."

"Mieten steigen, Einkommen stagnieren"

Mietervereinigungs-Vorsitzende Hanel-Torsch sieht das Problem jedoch gerade bei den Einkommen: "Die Mieten steigen und werden angepasst, das Einkommen stagniert aber." Um dem Einhalt zu gebieten, unterstützt sie einerseits den geförderten Neubau, anderseits fordert sie abermals eine Mietrechtsreform: "Der geförderte Bereich ist ein Vorbild in Europa. Wien gibt als einziges Bundesland sämtliche Gelder für den geförderten Wohnbau tatsächlich aus. Aber wir brauchen auch eine Vereinheitlichung des Mietrechts."