Für den fehlenden Nachwuchs an Gerichtsdolmetschern bei manchen Sprachen werden vor allem die schlechte Bezahlung und die schwierige Prüfung verantwortlich gemacht. Springer sieht die vor zwei Jahren von der Justiz vorgenommen Tarifkürzungen als einen Auslöser.

So sei etwa die mündliche Rückübersetzung von Schriftstücken, die in der Verhandlung oder Vernehmung angefertigt werden, mit 20 Euro gedeckelt worden. Früher sei man pro 1000 Zeichen bezahlt worden. Dieser Einschnitt beträfe insbesondere Protokolle, die im Rahmen der polizeilichen Einvernahme gefertigt werden würden: "Diese Protokolle haben ja oft 30 bis 40 Seiten. Manchmal auch mehr", sagt Springer. "Mehr Arbeit für weniger Geld", sagt Nigm über seine Entlohnung. Viele seiner Arbeitskollegen würden wegen der Bezahlung sogar erwägen, in Pension zu gehen. Springer rechnet vor, wie viel ein Dolmetscher bei einer Verhandlung verdient: "Für die erste halbe Stunde erhält man 24,50 Euro, für jede weitere halbe Stunde 12,40. Dazu kommen pro Stunde Zeitversäumnis 22,70 und die Reisekosten in Form von Kilometer-Geld oder Fahrtkostenersatz hinzu." Auch die Gerichtsdolmetscherprüfung würde wegen der hohen Durchfallquote viele Bewerber abschrecken, so Assem: "Man muss dafür lernen." In der Prüfung werden unter anderem Sprach- und rechtliche Kenntnisse abgefragt. Auch das Rechtswesen des Landes, in dem die zu dolmetschende Sprache Amtssprache ist, wird abgeprüft. Viele Prüflinge würden antreten, ohne sich genügend vorzubereiten, sagt Assem.

"Wir wollen das Berufsbild des Gerichtsdolmetschers durch Gebührenerhöhungen attraktiver machen. Aber auf den Nachwuchs haben wir keinen Einfluss", heißt es aus Justizkreisen. Derzeit gebe es "wirkliche Bemühungen" für eine Gebührenerhöhung. Dazu sei aber das Einvernehmen mehrerer Ressorts erforderlich. Im Finanzministerium will man dazu"keine inhaltliche Stellungnahme abgeben". Man warte seit Juli auf eine Rückmeldung des BMJ.

Ab 2017 soll ein Amtsdolmetscher für Arabisch bei der Justizbetreuungsagentur (JBA) angestellt werden, sagt Justizministeriumssprecherin Tichy-Martin. Die JBA stellt der Justiz Personal zur Verfügung - darunter auch Amtsdolmetscher, die fixe Arbeitszeiten haben und beeidete und gerichtlich zertifizierte Dolmetscher sind. Außerdem verweist Tichy-Martin auf den seit diesem Herbst verfügbaren Universitätslehrgang für Gerichtsdolmetscher, wo auch Arabisch unterrichtet wird.

Vermehrt auf Laiendolmetscher zu setzen, sei für die Justiz "kein Thema", erklärt sie: "Da haben wir unseren Standard." Nigm sieht es pessimistischer: "Den Gerichten wird in Zukunft nichts anderes überbleiben, als vermehrt auf Laien zurückzugreifen."