2012 wurde das Gründerzentrum Inits von TU, Uni Wien und der Wirtschaftsagentur ins Leben gerufen.
2012 wurde das Gründerzentrum Inits von TU, Uni Wien und der Wirtschaftsagentur ins Leben gerufen.

Wien. Wieland Reichelt strotzt vor Selbstvertrauen. Bemerkenswert für einen 29-Jährigen, der mit seinem Unternehmen noch keinen Cent Gewinn gemacht hat. Doch er ist sich seiner Sache sicher. "Raiffeisen hat aus 158 Start-ups in 46 Ländern vier ausgesucht. Und wir sind dabei."

Mit seinem jungen Unternehmen "Evologic Technologies" arbeitet er an einem Produktionsverfahren, das den Preis für die Herstellung eines Pilzes senkt. Mit dem Pilz können die Pflanzen Nährstoffe besser aufnehmen und brauchen weniger Düngemittel. Nach drei Monaten im Gründerzentrum von Raiffeisen Ware Austria (RWA) entscheidet sich der Konzern, ob er mit dem Jungunternehmer weiterarbeiten will oder nicht. Wenn ja, kann er sich mit rund drei Prozent beteiligen, wenn nicht, muss Reichelt die Kurskosten zurückzahlen.

Beratungen in einem sehr frühen Stadium stehen im Fokus von Inits, dem ersten und größten Gründerzentrum im universitären Bereich. - © Stanislav Jenis
Beratungen in einem sehr frühen Stadium stehen im Fokus von Inits, dem ersten und größten Gründerzentrum im universitären Bereich. - © Stanislav Jenis

"Es war eine riesige Hürde für mich, den Vertrag zu unterschreiben. Einfach aufgrund der hohen Summe, die sie verlangen." Den Betrag verrät er nicht. Unterschrieben hat er dennoch. "Damit haben wir die Möglichkeit, die Vertriebswege, das Know-how und auch die Marktdaten von Raiffeisen zu nutzen."

Mit den Start-ups in die Zukunft Raiffeisen hat sein Gründerzentrum heuer im Mai eröffnet. Auch A1 und der ORF versuchen sich erst seit kurzem als Start-up-Kaderschmieden. Mit ihnen holen sie sich unkompliziert junge, innovative Ideen ins Haus. "Ein Konzern ist vergleichbar mit einem großen Tanker, der ist nicht so schnell und wendig wie ein kleines Schnellboot. Mit der Kooperation profitieren beide Seiten voneinander", findet Livia Dandrea-Böhm von A1.

Und auch der ORF will mit den Start-ups am Puls der Zeit bleiben. Technologisch und innovativ. Die Jungunternehmen bekommen Infrastruktur wie Büros, Laptops und Beratung zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug beteiligen sich die Unternehmen an ihnen. Der Öffentlich-Rechtliche beispielsweise mit etwa sieben Prozent, A1 mit 10 bis 15 Prozent.

Privat oder universitär?


Doch bereits beim Einstieg ins Gründerzentrum verlangen die Unternehmen schon sehr konkrete Projekte von ihren Start-ups, die auch zum Konzern passen müssen. Meist wählt eine Jury aus mehreren hundert Bewerbungen gerade mal drei bis sieben Zukunftshoffnungen aus. Entsprechend hoch ist aber auch die Erfolgsquote: Bei A1 gibt es noch rund 85 Prozent der aus dem Gründerzentrum ausgeschiedenen Start-ups, beim Technologieunternehmen Frequentis sind es 80 Prozent. Auf den Universitäten hingegen sind die Anfangshürden bewusst niedriger.