"Wiener Zeitung": Eine der bekanntesten Lebensmittelkennzeichnungen ist das AMA-Gütesiegel. In den Köpfen eines Großteils der Bevölkerung ist es mit Bildern von biologischer Landwirtschaft verknüpft. Oft ist aber unklar, was genau das AMA-Güte-Siegel aussagt. Was hat es nun damit auf sich?

Karin Büchl-Krammerstätter - © MA22/Preiss
Karin Büchl-Krammerstätter - © MA22/Preiss

Karin Büchl-Krammerstätter: Das AMA-Gütesiegel sagt schlicht aus, dass die österreichischen Mindeststandards eingehalten werden. Ich finde das noch immer besser, als wenn das Fleisch aus einem Nicht-EU-Land stammt, wo nicht mal diese Standards eingehalten werden. Was die österreichischen Richtlinien angeht, gibt es aber sehr viel Verbesserungspotenzial nach oben, um tiergerecht zu werden. Denn wir sind gerade mal bei der Hühnerhaltung im EU-Durchschnitt. Was beispielsweise die Schweinehaltung angeht, sind wir fast Schlusslicht.

Also bedeutet das AMA-Gütesiegel nicht automatisch Bio?

Nein. Ich persönlich finde es auch in Ordnung, wenn man genau dazu steht, was das Siegel aussagt. Wenn es aber in der Werbung mit idyllischen Eindrücken von Kühen auf der Weide und Alpenhöfen verwendet wird, irritiert mich das. Ich finde es nicht in Ordnung, mit schönen Bildern oder Begriffen wie "Bauernhofgarantie" zu täuschen, wo ein Großteil der Bevölkerung einfach andere Vorstellungen davon hat, als sie tatsächlich aussagen. Es mag sicher noch solche Betriebe geben, aber das muss nicht die Regel sein.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten bei Verbesserungen der Standards?

Die Verantwortung, etwas zu ändern, liegt bei jedem in unserer Gesellschaft. Wichtig ist dabei die Bereitschaft, alles zu tun, um zu einer fairen Tierhaltung zu kommen, für die wir uns in den Spiegel sehen können. Meiner Meinung nach sollen die Thematisierung von Umweltauswirkungen und Tierhaltung Hand in Hand gehen.

Abgesehen von der von Ihnen ins Leben gerufenen Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack", welche Maßnahmen setzt die Stadt Wien und speziell die MA22, um Umweltbewusstsein zu fördern?

Der Bürgermeister hat zu Beginn dieses Jahres den Urban Food Policy Pact unterzeichnet. Dieser stellt eine freiwillige Selbstverpflichtung großer europäischer Städte dar, auf nachhaltigen Lebensmitteleinkauf, Lebensmittelabfallreduktion und Lebensmittelsicherheit zu achten. Wir sind mit unseren Projekten in Wien da bereits sehr weit, beispielsweise "Ökokauf Wien" und "Ökobusinessplan Wien".