Wien. (rös) Von Beruhigung innerhalb der Wiener SPÖ keine Spur: Am Rande der Gemeinderatssitzung am Mittwoch brodelte es nach wie vor heftig in den beiden Lagern der Partei. Während die eine Seite noch immer von einem Rachefeldzug von Ex-Bundeskanzler Werner Faymann spricht, der mit einer zerrütteten Wiener SPÖ seinen Nachfolger Christian Kern schwächen wolle, versucht die andere Seite weiterhin, Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely "mit ihrer Willkommenspolitik" anzupatzen.

Bürgermeister Michael Häupls Versuch, den Flächenbrand in der Vorstandssitzung am Montag einzudämmen, scheint vielmehr die Personaldebatte noch zusätzlich befeuert zu haben. Wilde Spekulationen - bei denen wahrscheinlich mehr der Wunsch Vater des Gedankens zu sein scheint - reichen von Doris Bures als nächste Bürgermeisterin bis hin zum Donaustädter Bezirkschef Ernst Nevrivy als Wohnbaustadtrat und einem Michael Ludwig, der das Finanzressort übernehmen soll, damit sich die Reihen wieder schließen können.

Auch die Opposition hat am Mittwoch die Streitereien in der SPÖ im Gemeinderat thematisiert. "Sie wirken gelähmt", meinte FPÖ-Klubchef Dominik Nepp in der Aktuellen Stunde. Deswegen brachten die Blauen einen Neuwahlantrag ein. Und obendrein gleich einen Misstrauensantrag gegen Häupl. Die Begründung: Die SPÖ sei handlungsunfähig und das werde sich laut Nepp auch in den nächsten Monaten nicht ändern. Darum sei es nötig, die Wahl vorzuziehen.

ÖVP und Neos schlugen in dieselbe Kerbe: Zwar habe es im Vorfeld der vergangenen SPÖ-Parteivorstandssitzung ein "sehr kurzes Zeitfenster eines Hoffnungsschimmers" gegeben. "Aber anstatt sich selbst ernst zu nehmen und klar zu machen, dass eben nicht alles weiter gehen kann, wie bisher, ist diese Chance vertan worden", erklärte ÖVP-Chef Gernot Blümel. "Der Streit innerhalb der SPÖ lähme und paralysiere absolut alles und werde mit "ungustiöser Vehemenz" geführt. "Simmering gegen Karpfenberg ist ein Schülerligamatch im Vergleich zu Nevrivy gegen Wehsely", polterte Blümel. Und die Grünen seien aus Angst um ihre Posten völlig in der Versenkung verschwunden.

Die Neos wiederum kritisierten die Neuaufnahme von Schulden, während den Bürgern seit Jahren ein Nulldefizit vorgegaukelt werde. Wiens SPÖ-Landesparteisekretärin Sybille Straubinger widersprach dem Vorwurf der Untätigkeit und zählte sogleich diverse Projekte der rot-grünen Stadtregierung auf.