Wien. Farid ist 14 Jahre alt und besucht ein Wiener Gymnasium. Obwohl er sehr wissbegierig ist, hat er große Probleme, im Unterricht mitzukommen, denn er spricht kaum Deutsch und nur gebrochenes Englisch. Vor einem knappen Jahr musste er wegen des Krieges seine Heimat Syrien verlassen und lebt seitdem als Flüchtling in Wien.

Farid ist eine fiktive Person, steht aber für tausende jugendliche Flüchtlinge, die an Wiens Schulen untergebracht sind und um deren Integration sich Bildungsexperten aller Parteien streiten. Aber wie vorgehen? Förderunterricht in eigenen Deutschklassen oder direkte Inklusion in die Klasse? Ali Aiad und Ebrahim Radwan sind der Ansicht, dass keine der beiden Alternativen allein genügt. Die beiden 20-jährigen ehemaligen Gymnasiumskollegen sind seit Jahren in der Wiener Schülerunion tätig. Mittlerweile ist Radwan deren Landesobmann, Aiad Pressereferent. Im Studentencafé Einstein beim Rathaus erzählen sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" vom Projekt "VIE.lfalt", in dem sie Schüler, Lehrer und Eltern darüber zu Wort kommen lassen, wie man mit geflüchteten Jugendlichen an Schulen umgehen kann, um Integration zu fördern.

Unsicherheit beim Umgang
mit Flüchtlingen in Schulen

"Im Zuge unserer Arbeit bei der Schülerunion betreuen wir auch viele Schulen und sehen uns die Lage vor Ort an. Da haben wir gemerkt, dass es einige Probleme und Unsicherheiten gibt, vor allem, was die Flüchtlingsthematik angeht", erklärt Radwan, der selbst ägyptische Wurzeln hat. Sprachbarrieren würden es in Gymnasien untergebrachten Flüchtlingen erschweren, im Unterricht mitzukommen. "Das hält dann den Unterricht auf, obwohl der Flüchtling gar nichts dafür kann", führt er weiter aus. Die Schulen seien hierbei mit Herausforderungen konfrontiert, die sie bisher nicht zu bewältigen hatten, nicht jede könnte den Integrationsprozess erfolgreich abschließen. Auch die Neuen Mittelschulen, wo viele geflohene Jugendliche untergebracht wurden und wo bereits davor oft der Ausdruck "Brennpunktschule" gebraucht wurde, seien laut Radwan betroffen. Projekte wie Buddy-Systeme, in denen freiwillige Schüler mit Flüchtlingen lernen, seien rar.

Politische Lösungsansätze schwanken vor allem zwischen den beiden Polen, die Flüchtlingskinder in separate Deutschklassen zu stecken oder den Weg der direkten Inklusion in Unterricht und Klasse zu gehen.