"Unsere Kampagne ist aber nicht darauf ausgerichtet, einen dieser beiden Vorschläge zu bewerben oder durchzuboxen", betont Ebrahim Radwan. Er will vielmehr den Stimmen der Betroffenen, in diesem Fall jener der Schüler, Lehrer Direktoren und Eltern, mehr Gehör verschaffen. "Genauso wollen wir aber auch die Seite der Flüchtlinge thematisieren und nicht abgrenzen. Es geht uns darum, zu zeigen, welche Auswirkungen das Thema auf unser Bildungssystem hat", fügt er an. Durch Multiple-Choice-Fragebögen, die online ausgefüllt werden können, will die Initiative die Situation und den Umgang mit Flüchtlingen an den verschiedenen Schulen erfassen. "Auf Anfrage kommen wir aber auch direkt mit ausgedruckten Bögen in die Schulen", sagt Aiad.

Neben der Erfassung, ob es sich um Lehrer, Schüler, oder Eltern handelt, und der eigenen Einschätzung über den Umgang mit der Flüchtlingsthematik an Schulen werden Lösungsansätze wie Buddy-Systeme, Lehrerfortbildungen und Vorbereitungsklassen zur Bewertung gegeben. "Das ist natürlich nur eine anfängliche Auswahl, um einen Überblick zu bekommen, und keine richtige Sekundärwissenschaft", wirft Ali Aiad ein. "Es haben sich aber auch schon einige interessierte Schülerinnen und Schüler und Eltern mit ihren eigenen Ideen bei uns gemeldet, die wir natürlich auch berücksichtigen."

10.000 Bögen sollen
ausgefüllt werden

In den kommenden Wochen sollen 10.000 ausgefüllte Bögen zusammenkommen, hofft man bei der Schülerunion.

Für das Projekt haben Aiad und Radwan auch verschiedene Jugendorganisationen mit ins Boot geholt, allen voran die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ). "Viele Vorurteile gegen Flüchtlinge fußen darauf, dass sie aus muslimischen Ländern stammen, daher wollten wir unbedingt mit dieser großen Jugendorganisation zusammenarbeiten", betont Radwan. Auch weitere Unterstützer wie "Zusammen. Österreich" oder "United Cultures" beteiligen sich an der Kampagne. Gemeinsam mit der MJÖ sind auch parallel stattfindende Workshops an interessierten Schulen geplant. Unter der Leitung geschulter Trainer soll ein Diskussionsrahmen für die Flüchtlingsthematik und Erfahrungsaustausch geschaffen werden. "Das wird an Schulen oft nicht behandelt, außer vielleicht im Geschichtsunterricht oder von engagierten Lehrern. Oft besteht auch nicht die Möglichkeit dazu", argumentiert Ali Aiad, der selbst ausgebildeter Trainer im Bereich der Jugendvermittlung, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung ist.

Eine aktive Zusammenarbeit zwischen der als ÖVP-nah eingestuften Schülerunion und anderen Schülerorganisationen wie der sozialdemokratischen "Aktion kritische Schüler_innen" (AKS) gibt es derzeit nicht. "Unsere Kampagne hat aber im Schülerparlament begonnen, wo unser Antrag für das Projekt von 93 Prozent der Schülervertreter angenommen wurde. Zumindest hieraus können wir auf große Zustimmung schließen", meint Ebrahim Radwan. Das Gespräch mit der AKS würde aber "demnächst" gesucht, merkt er an.

Nach Auswertung will man Forderungen formulieren

Auch Bildungsexperten und Vertreter aller politischen Parteien sollen zu Wort kommen, um das Bild abzurunden. "Bisher hat unsere Kampagne innerhalb jeder Partei ziemlich viel Anklang gefunden und wir haben schon einige Statements eingeholt", meint Aiad. Die Interviews werden auch auf Facebook und der Schülerunions-Homepage veröffentlicht, erklärt er. Forderungen vertritt die Kampagne noch nicht, das könne laut Aiad und Radwan erst nach Auswertung der Umfrageergebnisse geschehen. Diese sollen in einer Pressekonferenz und Podiumsdiskussion präsentiert werden, so Aiad. Im Anschluss hoffen die beiden auf eine weiterführende Zusammenarbeit mit Fachleuten und der Politik.