In diesem Zusammenhang stellt Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy "seine" Donaustadt immer wieder gerne als größte Bezirksorganisation Österreichs dar. Tatsächlich ist das aber Linz. Selbst in Wien ist sie in Wahrheit nur die drittgrößte: Am meisten Parteimitglieder hat Floridsdorf, gefolgt von Favoriten. Auf Platz vier und fünf folgen dann schon die Leopoldstadt und Ottakring - ausgerechnet jene Bezirke, die von den "Rebellen" gerne als "Bobo-Bezirke" bezeichnet werden.

Auch die Einteilung der Streithähne in Innen- und Außenbezirke - also wo einerseits von "realitätsfremden Caffè-Latte-Trinkern" gesprochen wird und andererseits von "mit der FPÖ liebäugelnden Faymann-Rächern" - erscheint in diesem Kontext schwer nachvollziehbar, zumal es sich etwa bei Ottakring kaum um einen Innenbezirk handelt.

Ottakring stellt im Übrigen zwei Personen in der Stadtregierung: Bürgermeister Michael Häupl und Umweltstadträtin Ulli Sima. Der 2. Bezirk stellt mit Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely auch ein Regierungsmitglied. Nach der Größe und der Mitgliederzahl gemessen, scheint das auch durchaus nachvollziehbar - sofern man dem Proporzgedanken folgt. Weniger verständlich ist dieser Logik folgend wiederum, dass Margareten mit Finanzstadträtin Renate Brauner und Bildungs- und Integrationsstatdrätin Sandra Frauenberger zwei Stadträtinnen stellt, obwohl der Bezirk klein ist und sich im unteren Drittel der Parteimitgliederzahl befindet. Aber dafür hat Margareten auch keinen Gemeinderat.

Floridsdorf hat mit Michael Ludwig einen Stadtrat (Wohnbau) und mit Harry Kopietz einen Landtagsvorsitzenden. Ganz im Gegensatz zu Favoriten - jener Bezirk, der schon seit Jahrzehnten diesbezüglich durch die Finger schaut. Und das ist sozusagen historisch bedingt, weil sich dem Vernehmen nach die Bezirksorganisation schon vor mehr als 20 Jahren gegen Häupl als Bürgermeister ausgesprochen hatte.

Die Donaustadt wiederum stellt mit Muna Duzdar immerhin eine Staatssekretärin und den Gemeinderatsvorsitzenden Thomas Reindl. Insofern dürfte sich eigentlich niemand beklagen. Immerhin befinden sich summa summarum die meisten Top-Positionen auch in den Top-Bezirken - gemessen an den Parteimitgliedern. Was allerdings die Frage aufwerfen könnte, wie sinnvoll es eigentlich ist, in der Besetzung von Spitzenpositionen ausschließlich die Interessen von Bezirken oder auf anderer Ebene auch Gewerkschaften zu bedienen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr Einkommen in Donaustadt als im Alsergrund


Interessant ist weiters, dass sich die Flächenbezirke auch oft gerne als die "noch echten Arbeiterbezirke" bezeichnen - wo sie doch in Sachen Jahreseinkommen im Ranking relativ weit vorne liegen. So ist etwa die Donaustadt noch vor Landstraße und Alsergrund auf Platz 9. In Floridsdorf verdienen die Menschen durchschnittlich mehr als in Hernals oder in der Leopoldstadt. Selbst Simmering liegt in diesem Ranking vor Margareten oder Ottakring.

Und auch der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund konzentriert sich auf Rudolfsheim-Fünfhaus, Brigittenau, Margareten und Ottakring - das sind im Übrigen auch jene Bezirke, in denen der Abstand zur FPÖ in Prozentpunkten um einiges höher liegt als in den Flächenbezirken (siehe Grafik).