Wien. Rund 27.700 Menschen hat es 2016 in die Donaumetropole gezogen. Das bestätigte die MA23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) am Montag bei der Veröffentlichung der vorläufigen Bevölkerungszahlen des vergangenen Jahres. Wien wächst also noch, aber deutlich langsamer als noch im Vorjahr. "Wir befinden uns jetzt wieder auf normalem Niveau", so MA23-Abteilungsleiter Klemens Himpele.

Seit Jahresbeginn leben in der Donaumetropole knapp 1,87 Millionen Menschen. Damit ist Wien nicht nur die zweitgrößte deutschsprachige Stadt (nach Berlin), sondern hat nun auch Bukarest überholt und ist die sechstgrößte Stadt der EU. "Platz fünf werden wir aber wohl nur erreichen, wenn Großbritannien tatsächlich austritt", meint Klemens Himpele. Die britische Hauptstadt London ist mit 8,61 Millionen Einwohnern die mit Abstand größte Stadt der EU, vor Berlin (3,47 Millionen Einwohner), Madrid, Rom und Paris.

Zuwanderung ging 2016 deutlich zurück

Zu den rund 27.700 neuen Wienern gehören etwa 8300 Flüchtlinge. "Das ist natürlich eine große Zahl, aber entspricht nicht dem Bild, dass man vielleicht aufgrund der Prominenz der Thematik in den Medien hat", sagt Himpele zur "Wiener Zeitung". Im Vergleich zu 2015 ist die Zuwanderung in Wien stark zurückgegangen, was hauptsächlich auf das Abklingen der Fluchtbewegungen zurückgeführt werden kann. Beispielsweise kamen im vergangenen Jahr 4716 Syrer nach Wien, 2015 waren es noch 8036. Syrien bleibt weiterhin das stärkste Zuwanderungsland vor Rumänien, Serbien, Ungarn, Afghanistan und Deutschland.

Aus fast allen Zuwanderungsgruppen kamen 2016 weniger Menschen nach Wien als noch im Jahr davor. Zwar gibt es mehr Zuwanderer aus der Türkei, diese sind mit 231 Personen aber gering. "Das zeigt auch, dass die Türkei zwar was den Bestand angeht, Bedeutung hat, aber bei der Zuwanderung keine große Rolle mehr spielt", bemerkt Himpele. Insgesamt kommen 36 Prozent der Wiener aus EU-Ländern und Drittstaaten. Die Bevölkerungszusammensetzung habe sich hier nur minimal verändert.

Die MA23 hält auch weiterhin an ihrer Prognose fest, dass Wien die Zwei-Millionen-Einwohnergrenze voraussichtlich im Jahr 2029 erreichen wird, auch wenn die Statistik Austria dies nach den Flüchtlingsbewegungen schon für 2023 erwartet. Denn erstens wolle man die Prognosen nicht jedes Jahr anpassen, da hier vor allem Trends statt kurzfristiger Ereignisse dargestellt werden sollten, heißt es. Zweitens könne man nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass alle Flüchtlinge auch in Wien bleiben.

Einen Höchststand verzeichnet Wien bei den Geburten, die seit 2003 die Sterbefälle übersteigen. Denn der bisherige Rekord von 20.507 Geburten im "Babyboom"-Jahr 1967 wird voraussichtlich gebrochen werden. Trotzdem bleibt die Geburtenrate laut Himpele unverändert. "In Wien bekommt jede Frau durchschnittlich 1,4 Kinder - und das schon seit etwa 25 Jahren." Es ziehen dafür aber immer mehr potenzielle Mütter nach Wien. Auch die Geburtenraten zwischen den verschiedenen Staatsbürgerschaftsgruppen nähern sich einander an. Laut Klemens Himpele trete das Phänomen der (migrantischen) Großfamilie, die fünf oder mehr Kinder hat, nur noch in Einzelfällen auf.

Mit der Überalterung Wiens scheint es schon lange vorbei zu sein. Lag die Bundeshauptstadt in den 1960er Jahren noch etwa zehn Jahre über dem damals zweitjüngsten Bundesland Niederösterreich, verjüngte sie sich zunehmend und überholte mit einem Schnitt von knapp über 40 Jahren 2015 das bis dahin jüngste Bundesland Vorarlberg.

Laut MA23 ist Wien eine international attraktive Stadt. 2015 wurden rund 93 Millionen Euro in die Stadt investiert, wobei 42,3 Prozent aus der EU stammen. 21,1 Prozent der Wiener Investitionen waren russischer Herkunft (19,6 Millionen Euro), 11,1 Prozent stammten aus den USA (10,3 Millionen Euro). Was Betriebsansiedlungen betrifft, kamen 2015 174 Betriebe nach Wien. Zum Vergleich: In den restlichen Bundesländern gab es insgesamt nur 149 Ansiedlungen. Die meisten stammen aus Deutschland (49), Ungarn (18) und Italien (14).

Zudem fanden 2015 in Wien 178 internationale Kongresse statt. Die Donaumetropole zählt damit zu den beliebtesten Kongressstädten und liegt nur hinter Berlin (195), Paris (186) und Madrid (189). Der Wiener Tourismus durfte sich 2015 über 14,3 Millionen Nächtigungen freuen.

Arbeitsmarkt wächst zu langsam

Die größte Sorge bereitet aber immer noch der Arbeitsmarkt. Denn auch, wenn dieser gemeinsam mit der Stadt wächst und auch 2016 ein Rekordniveau von 807.213 unselbstständigen Beschäftigungsverhältnissen aufweist, kann er bisher nicht die steigende Arbeitslosenquote einholen. Im Dezember waren in Wien insgesamt 167.747 Menschen als arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Anstieg um 0,9 Prozent. Neben weiteren Investitionen, die die öffentliche Hand zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit tätigt, wünscht man sich seitens der MA23 von Bund und EU weitere Unterstützung, beispielsweise eine "Goldene Investitionsregel" die Investitionen erleichtern soll, indem diese bis zu einem gewissen Grad nicht mehr in die Staatsverschuldung miteinbezogen werden müssen.

Die Wiener Arbeitsplätze sind übrigens nicht nur bei den Einwohnern heiß begehrt. Ein Viertel aller unselbständig Beschäftigten in der Donaumetropole sind Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland. Man müsse laut Klemens Himpele daher genau genommen vom Arbeitsmarkt der Ostregion statt dem Wiener Arbeitsmarkt sprechen, da auch die umliegenden Bundesländer bedient würden.

Wirft man übrigens einen Blick auf die Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Bezirke, stechen einige dabei hervor, wie Himpele erläutert. "Liesing und Simmering haben 2016 wohl die 100.000-Einwohner-Grenze erreicht. Favoriten steht kurz vor den 200.000 Einwohnern und wird diese wahrscheinlich im Jahr 2017 erreichen." Das sei unter anderem durch die hohe Bautätigkeit in Bezirken wie Favoriten und Donaustadt zu erklären, die weiterführend das Bevölkerungswachstum begünstige. Aber auch innerhalb des Gürtels, nämlich beim 7., 8., und 9. Bezirk, rechnet die MA23 mit Zuwächsen. Die Innere Stadt profitiert insofern vom allgemeinen Bevölkerungswachstum, dass sie 2016 wohl das erste Mal seit Jahren Einwohner dazubekommen hat, anstatt sie zu verlieren, merkt Himpele an.