Wien. Nach jahrelanger Debatte um die Zukunft des Gebiets des Otto Wagner Spitals erfolgte am Dienstag nun der Startschuss für die Verbauung. Es wurde mit der Rodung von rund 100 Schwarzkiefern im ehemaligen Wirtschaftsteil im Osten des Areals begonnen, wie der öffentliche Bauträger Gesiba mitteilte. Die Baugenehmigung für die ersten 65 von insgesamt 160 Wohnungen liege vor, diese sollten 2019 fertiggestellt werden. Die Wohnungen seien im Rahmen des sozialen Wohnbaus angelegt und ein Viertel von ihnen werde für betreutes Wohnen zur Verfügung gestellt, heißt es.

Das Echo auf den Fall des ersten Baumes ist jedoch enorm. Seitens der Opposition zeigt man sich über die Vorgehensweise von Gesiba und Stadt entrüstet. Unter anderem wird kritisiert, dass der Internationale Denkmalpflegebeirat Icomos erst vor wenigen Tagen in einem erneuten Schreiben an Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou die Stadtregierung dazu aufforderte, den Ensembleschutz für das Areal zu. So bemängelt etwa Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel, dass "in Rot-Grün-Manier" ohne ein Gesamtnutzungskonzept die ersten Bäume zur Rodung freigegeben wurden.

"Valentinstagsmassaker"


Seitens der Gesiba versichert man, dass 72 der 98 zu fällenden Bäume "ihre physiologische Altersgrenze erreicht hätten" und als Ersatz mit 327 Bäumen mehr als dreimal so viele neue Pflanzen im Areal gepflanzt werden. Bei der FPÖ spricht man jedoch von einem "rot-grünen Valentinstagsmassaker" und erwägt eine Anzeige. Auch die Neos beklagen, dass für das Areal kein städtebauliches und architektonisches Gesamtnutzungskonzept bestehe, obwohl dem Areal von der Größe des achten Bezirks kulturelle Bedeutung bekomme. Vor allem das Jugendstilensemble des Spitals werde durch "planlosen" Wohnungsbau zerstört und der Wunsch des Bezirks Penzing nach einem Weltkulturerbestatus für das Areal gefährdet, heißt es seitens der Pinken. Bis auf die Unterstützung der Icomos als beratendes Gremium kam für diesen Wunsch bisher jedoch keine Rückendeckung seitens der Unesco.

Aber nicht nur die Neos haben das Gefühl, dass die Stadt über die Bedenken der Bürger "drüberfährt". Christine Muchsel von der Bürgerinitiative "Steinhof gestalten" zeigt sich gegenüber der "Wiener Zeitung" entrüstet über die Aussendung der Gesiba. Sie betont, dass es mit Bürgervertretern keine Einigung bezüglich der Anzahl der auf dem Areal zu errichtenden Wohnungen gegeben habe. Zudem beklagt Muchsel den für sie nicht nachvollziehbaren Ausschluss ihres Kollegen Wolfgang Veit - mit dem sie die Bürgerinitiative im Jänner 2011 gegründet hat - aus dem Planungsgremium. Des Weiteren bemängelt sie, dass im Planungsprozess wieder Konzepte aufs Tapet gebracht werden, denen das Expertengremium zuvor widersprochen hat - etwa eine Aufstockung der Wohnungsanzahl auf 200 im Sinne der Gesiba für die Testplanungsverfahren oder die Gefährdung des Ensembles beim ehemaligen Pathologiegebäude durch die Verbauung im Umfeld.

Austritt aus Gremium


Als Konsequenz gab die Bürgervertreterin auch ihren Austritt aus dem Gremium bekannt.

Die stellvertretende grüne Klubobfrau Jennifer Kickert betonte in einer Aussendung, dass die Neugestaltung des Areals unter Wahrung des Denkmalschutzes stattfinde und sich die vier neu gebauten Pavillons in das Ensemble eingliedern werden. Zudem würde die Gartengestaltung im Ostteil nach den ursprünglichen Plänen von Otto Wagner mit der Pflanzung von Alleebäumen entlang der Hauptwege durchgeführt werden, so Kickert. Der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr betont wiederum, dass "nichts Unerwartetes" passiert. Die jetzigen Baumaßnahmen seien das Ergebnis des Mediationsprozesses, das bereits vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Wie der Rest des ehemaligen Otto-Wagner-Spitals genutzt wird, nachdem das Krankenhaus in den kommenden Jahren schrittweise im Zuge der Spitalsreform 2030 abgezogen sein wird, steht noch nicht fest.

Seitens der Wiener Standort Entwicklungs GmbH erklärt man jedoch, dass ein im Auftrag des Krankenanstaltenverbunds erstelltes Nutzungskonzept für den Zentralbereich des Areals Ende 2016 übergeben wurde und derzeit im Stadtrat zur Begutachtung liegt. Wann die endgültige Entscheidung gefällt werde, stehe laut einem Sprecher von Stadträtin Sandra Frauenberger aber noch nicht fest.