Wien. U1-Station Nestroyplatz, Ausgang Rotensterngasse. Wer hier die Stufen emporsteigt, steht vor der Kirche St. Nepomuk, die in diesem Abschnitt der Praterstraße eine dominante Position im Straßenbild einnimmt. Der Blick auf die andere Straßenseite offenbart, etwas versteckter, allerdings eine Moschee. Und schräg gegenüber beginnt die Tempelgasse, die mehrere Synagogen beherbergt.

"Hier ist sichtbar, dass Menschen verschiedenster Religionen auf sehr engem Raum zusammen leben", betont der Pfarrer der Pfarre St. Johann Nepomuk, Konstantin Spiegelfeld, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er engagiert sich seit vielen Jahren im Religionsforum des Bezirks. Nun hat er unter dem Titel "Religion - Identität - Integration" gemeinsam mit der MA17 und der Donauuniversität Krems eine Veranstaltungsreihe in der Pfarre ins Leben gerufen. Am heutigen Mittwoch soll der Themenkomplex aus jüdischer Sicht beleuchtet werden, es folgen Abende zur muslimischen sowie christlichen beziehungsweise säkularen Perspektive.

"Das Thema Zusammenleben und Integration interessiert viele in der Gemeinde", so der Pfarrer. "Viele leben ja Tür an Tür mit Juden, mit Muslimen. Es geht um ein besseres Verstehen, einander vielleicht auch einmal einzuladen. Eine Pfarrgemeinde kann helfen, dass Menschen zusammenfinden", sagt Spiegelfeld. Er sei als Pfarrer für alle Menschen da, so das Amtsverständnis Spiegelfelds. Das Grätzl habe nicht nur eine sehr diverse religiöse, sondern auch soziale Zusammensetzung. Dennoch gebe es "ein gelebtes friedliches Miteinander".

Wobei der Pfarrer nicht alles schönreden möchte: Es gebe durchaus auch Konflikte. Dann etwa, wenn sich der "hiesige Ansässige" im Park nicht mehr wohlfühle, weil er sich fremd vorkomme. Dann höre man Aussprüche wie jenen von der "dritten Türkenbelagerung". Oder wenn in einer Schule im Viertel nur wenige Schüler einer Klasse Deutsch sprechende Eltern hätten, in einer anderen lediglich an die zehn Prozent der Schüler den katholischen Religionsunterricht besuchen. "Wenn die Mehrheit kippt, dann ist das für den Hiesigen schon ein Problem." Dass das Kreuz an solchen Schulstandorten dann abgenommen werde, dafür hat der Pfarrer Verständnis. "Wenn es ein Kreuz gibt - schön! Aber es muss von den Menschen getragen sein." Das Kreuz dürfe nicht zum Kulturzeichen degenerieren.

"Persönliche Begleitung
ist sehr wichtig"


Die Pfarre St. Nepomuk engagiert sich seit vielen Jahren im Rahmen des Pfarrnetzwerks Asyl in der Betreuung von Geflüchteten. Aktuell betreut die Gemeinde fünf syrische Familien, die teils christlich, teils muslimisch sind. "Sehr wichtig ist hier die persönliche Begleitung", ist der Pfarrer überzeugt. Es gehe um Wohnraum, Schulplätze, aber eben auch persönliche Kontakte. Natürlich würden sich die christlichen Familien näher fühlen als die muslimischen. Aber auch hier gebe es gute Kontakte. "Man kann auch nicht erwarten, dass diese Menschen alles eins zu eins übernehmen hier", betont der Pfarrer. "Sie wollen in ihrer Eigenheit auch geschätzt werden. Und ich glaube, dass sie in die Gesellschaft etwas einbringen, was die eigene Identität hinterfragt."